Briten, Affen und große Klänge

Ich bin mir sicher, dass Donkey Kong selbst vielen unter euch, die mit Videospielen im Grunde gar nichts am Hut haben, ein Begriff ist. Der populäre Gorilla, dessen Name aufgrund einer Falschannahme seitens Entwicklerlegende Shigeru Miyamoto übersetzt in etwa so viel wie „Esel Affe“ bedeutet – die Intention seines Schöpfers war es, den Primaten „Dummer Affe“ zu taufen –, erblickte 1981 das Licht der damals noch recht jungen Videospielwelt. Der gleichnamige Arcade-Titel, in welchem nebenbei bemerkt auch die wohl ikonischste Figur der Spielelandschaft – nämlich ein gewisser Mario – seinen ersten (wenn auch anonymen) Auftritt hatte, revolutionierte die Szene. Das Genre der Jump’n’Runs war geboren.

Trotz zweier direkter Nachfolger und einiger Portierungen wurde es um Donkey Kong daraufhin eher ruhig … bis sich das britische Entwicklerstudio Rare im Jahre 1993 anschickte, mit seiner Hilfe (oder zumindest der seines Namens) all jene Lügen zu strafen, die das auf 16-Bit-Technologie basierende SNES angesichts der technischen Überlegenheit kommender Konkurrenzsysteme bereits abgeschrieben hatten. Mittels einiger Tricks und Kniffe in Sachen Grafikdesign vollbrachten die Entwickler eines der denkwürdigsten Kunststücke der Videospielgeschichte: Nie zuvor hatte ein Spiel derart gut ausgesehen wie das im November ’94 veröffentlichte Donkey Kong Country – wohlgemerkt erschienen für eine gemeinhin als veraltet geltende Plattform.

Bis heute wird der Titel als Meisterwerk gehandelt. Dass wir es nicht mit einem Grafikblender zu tun haben, steht folglich außer Frage. Die bildhübsche Optik mag zu seinem Erfolg beigetragen haben, immerhin rangiert Donkey Kong Country mit 9,3 Millionen abgesetzten Exemplaren auf dem dritten Platz der meistverkauften SNES-Veröffentlichungen überhaupt, doch allein daran hat es keineswegs gelegen. Wenn man von DKC spricht, kommt man nicht umhin, das großartige Leveldesign, den fordernden Schwierigkeitsgrad und insbesondere den unglaublichen Soundtrack zu erwähnen.

Unter dem Donkey-Kong-Country-Banner sind bislang fünf Spiele erschienen. Die Musik für drei davon (vier, wenn man die Neuauflage des dritten Teils für den Game Boy Advance mitzählt) geht größtenteils auf das Konto des ebenfalls aus Großbritannien stammenden Komponisten David Wise. Während der Mann innerhalb der Szene durchaus die Anerkennung erfährt, die ihm zusteht, wurde ihm von außerhalb bislang relativ wenig Beachtung zuteil. Mit diesem Beitrag möchte ich das ändern … zumindest im überschaubaren Rahmen meiner Möglichkeiten.

Ja, wir reden hier von der Hintergrundmusik einer Spielereihe, in der man verschiedene Affen durch mitunter äußerst fantastische Gebiete steuert, um mal gegen die Heerscharen eines wahnsinnigen Krokodils, mal gegen die eines Walrosses in Wikinger-Tracht vorzugehen. Ja, wir reden von hauptsächlich künstlichen Klängen, was vor allem bei den älteren Stücken deutlich wird. Gleichwohl lege ich euch nahe, mit eurem Urteil nicht voreilig zu sein. Eine Menge dessen, was Mr. Wise hier geschaffen hat, zähle ich zu den atmosphärischsten und gefühlvollsten Kompositionen, die ich jemals vernommen habe. Lasst euch darauf ein und vor eurem inneren Auge werden überwältigende Bilder vorüberziehen, das garantiere ich.

Meine Damen und Herren, eine kleine Auswahl großer Kunst:

Aquatic Ambiance (Donkey Kong Country, 1994)

Stickerbush Symphony (Donkey Kong Country 2: Diddy’s Kong Quest, 1995)

Seashore War (Donkey Kong Country: Tropical Freeze, 2014)

Hot-Head Bop (Donkey Kong Country 2: Diddy’s Kong Quest, 1995)

Life in the Mines (Donkey Kong Country, 1994)

Forest Folly (Donkey Kong Country: Tropical Freeze, 2014)

Briten, Affen und große Klänge

Kevin Jell

Ich wandle zwischen Nostalgie und Zuversicht – das beschreibt mich ganz gut, glaube ich.

2 Kommentare zu „Briten, Affen und große Klänge

  • 11. April 2022 um 20:00
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    Also dieser Beitrag gefällt mir gut; ich erinnere mich noch an diese Videogame-Kästen, wo man nach dem Einwurf eines 1 Franken-Stückes sitzend mit diesem Affen Hürden, Palmen und Wege beschreiten musste, um ins nächste Level zu gelangen. Wie die Musik tönte, habe ich kaum noch in Erinnerung, doch am Anfang, bevor es los ging, dröhnte der Kasten drei oder vier Mal „Dong, Dong, Dong!“ Ich sehe jetzt auch Deine Leidenschaft für solche Spiele, was mir besser gefällt als das Grundthema, das Dir zuvor wichtig war. Mich würde ein Beitrag in ähnlicher Weise vom Spiel „Pac Man“ begeistern! Weisst Du darüber auch soviel wie über Donkey Kong? Tschüss Kevin

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    • 13. April 2022 um 16:37
      Permalink

      Hallo Fabian,

      ich vermute, du sprichst von Donkey Kong Jr. – das ist die direkte Fortsetzung des Originals von ’81. Mit den späteren Donkey-Kong-Country-Spielen hat das nicht viel zu tun, deswegen wird dir keines meiner ausgewählten Stücke dort begegnet sein.
      Von Pac Man weiß ich nicht annähernd so viel, mein Herz schlägt nun einmal für Nintendo … es freut mich aber, dass dir der Beitrag so gut gefallen hat. Es war in letzter Zeit eine Menge über Alkohol, das will ich in Zukunft wieder etwas zurückfahren. Ich hoffe, du findest auch an meinen nächsten Beiträgen Gefallen, obwohl sich diese nicht allzu sehr mit Videospielen befassen werden. Ich bin sehr wandelbar … 😉

      Danke dir für deinen tollen Kommentar und einen schönen Tag!

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