Solidarität und andere Märchen

In den vergangenen Wochen habe ich mir immer wieder vorgenommen, mich nicht mehr zu Covid-19 und den damit einhergehenden Ereignissen zu äußern. Mal um Mal haben mich neue Nachrichten aber schließlich doch dazu getrieben, in den sozialen Medien meine Stimme zu erheben. Wahrscheinlich hatte ich Angst, dass mein Schweigen als Zustimmung interpretiert werden könnte. Weil dieses Thema für mich mittlerweile einen Stellenwert innehat, der in keinem Verhältnis zu seiner tatsächlichen Relevanz steht, habe ich beschlossen, ein letztes Mal umfassend darzulegen, wie ich die Dinge sehe, und das Ganze dann abzuhaken.

Ich kann nicht in letzter Konsequenz beeinflussen, welcher Stempel mir aufgedrückt wird, aber ich bitte euch dennoch, einen Augenblick über meine Worte nachzudenken, bevor ihr wutentbrannt in die Tasten haut. Für einen konstruktiven Dialog war es schon immer unerlässlich, seinem Gegenüber zuzuhören. Nicht jeder ist in der Lage, ein vernünftiges Gespräch zu führen, das ist mir bekannt. Trotzdem möchte ich vorweg klarstellen, dass man nicht automatisch ein Verschwörungstheoretiker oder Hetzer sein muss, um das Vorgehen eines Staates infrage zu stellen oder zu kritisieren. Solltet ihr dazu neigen, Menschen unverzüglich in derlei Schubladen zu stecken, rate ich euch, eurer Weltbild einmal aus dem Blickwinkel eines neutralen Beobachters zu begutachten.

Die meisten von euch leben mutmaßlich in Deutschland oder Österreich. Das heißt, dass ihr euch seit zwei Jahren einer Panik- und Meinungsmache ausgesetzt seht, die ihresgleichen sucht. Ich habe Verständnis dafür, dass es angesichts dessen schwer sein kann, eine neutrale Haltung zu bewahren. Außerdem behaupte ich mitnichten, dass die deutschsprachigen Medien ausnahmslos Fehlinformationen verbreiten. Fakt ist jedoch, dass sowohl im Fernsehen als auch über Zeitungen und deren Online-Pendants teilweise Eindrücke vermittelt werden, die der Wahrheit schlicht und ergreifend widersprechen. Ich möchte dies am Beispiel Schweden deutlich machen.

Ich verbringe eine Menge Zeit dort. Es mag für manch einen surreal wirken, aber von Angst habe ich dabei bislang nichts mitbekommen. In einer aktuellen Ausgabe des offiziellen Gesundheitsmagazins der Provinz Örebro wird Corona lediglich kurz im Vorwort und dann noch einmal im Rahmen einer Anzeige erwähnt, die zur Impfung ermutigen soll. Das ist alles. Tatsächlich existiert in Schweden so etwas wie ein gewöhnlicher Alltag – und das schon die komplette Pandemie hindurch. Es gab Empfehlungen, ja. Es gab Bitten, ja. Die Schulen jedoch blieben geöffnet. Genauso wie der Handel und die Gastronomie. Zumindest auf dem Papier wurden ein paar Beschränkungen wie eine Obergrenze von acht Gästen pro Tisch festgelegt, von einer militanten Umsetzung habe ich aber nicht allzu viel mitbekommen. Es gab weder eine Maskenpflicht noch Ausgangssperren. Das höchste der Gefühle ist wohl die kürzlich eingeführte Regel zur Impfpasskontrolle (oder zur Umsetzung alternativer Maßnahmen) bei Veranstaltungen mit über 100 Besuchern. Diese ist allerdings umstritten und wird derzeit von den zuständigen Ombudsleuten auf ihre Rechtmäßigkeit geprüft.
„Schwedischer Sonderweg am Ende“ tönte es in den letzten zwölf Monaten regelmäßig. Nun, was soll ich sagen? So ein Ende habe ich mir dramatischer vorgestellt.

Sicher, im Frühjahr 2020 wurde so manche Fehlentscheidung getroffen und des Weiteren sticht Schweden durch eine ausgesprochen niedrige Bevölkerungsdichte hervor. Über Letzteres ließe sich zwar ebenfalls vortrefflich diskutieren, leben im Ballungsraum Stockholm doch mehr als zwei Millionen Menschen, aber es ist nicht mein Bestreben, die schwedische Regierung zu rühmen. Auch mit deren Aussagen bin ich nicht zwingend einverstanden. Wie eingangs erwähnt, geht es mir um die Art der Berichterstattung. Die oftmals porträtierte Apokalypse hat hier nicht stattgefunden. Davon abgesehen sprechen genannte Umstände ganz klar dafür, dass die von Deutschland und Österreich gefahrene Schiene nicht die einzig denkbare darstellt – völlig wertungsfrei.

Zu jeder anderen Zeit gehört es beinahe schon zum guten Ton, Politikern korruptes und eigennütziges Verhalten zu unterstellen. Nun scheint es allerdings als Zeichen geistiger Umnachtung zu gelten, einer Regierung, die zugleich Waffenlieferungen an den Osten genehmigt und sich ob der Millionen von Kriegsflüchtlingen betroffen zeigt, nicht aus der Hand zu fressen. Ich spreche den Staatsleuten keineswegs jeglichen Altruismus ab (die gelegentlich durchschimmernde Planlosigkeit macht mir das unmöglich), doch an erster Stelle stehen zweifelsohne finanzielle Interessen und Macht. Daran ändert auch die eine oder andere Ausnahme wie eine Frau Wagenknecht nichts. Ich setze noch einen drauf: Ich bin mir sicher, dass das Spiel mit der Angst obendrein dazu dient, Grenzen auszuloten; ein wenig auszuprobieren, was sich mit dem Volk alles so treiben lässt, bevor es brenzlig wird. Brenzlig scheint es jedoch selten zu werden. Das Volk ist gern hörig.

Hörigkeit liegt in der Natur des Menschen. In der Natur des Menschen liegen außerdem Kurzsichtigkeit und Wichtigtuerei. Wenn nun also geboten ist, sich impfen zu lassen, wird das erledigt – selbstverständlich aus eigenem Antrieb und Gründen der Solidarität. Womit wir bei einem meiner Lieblingspunkte wären.
Solidarität – was für ein schönes Wort. Was für ein dehnbarer Begriff. Ich wette, bis vor einigen Wochen wusste das Gros der deutschen Bevölkerung noch nicht einmal, wie man diesen buchstabiert. Vielleicht erläutern wir ihn daher anhand eines Gegenbeispiels. Was ist demnach unsolidarisch?

Ich würde behaupten, es zeugt nicht von sonderlich viel Solidarität, sich mit Billigfraß aus dem Supermarkt vollzustopfen, bis man aufgrund seiner Fettleibigkeit in der Klinik landet und dort mithilfe eines triefenden Schweißtuches das Intensivbett reserviert, um in der Kantine schnell drei, vier Portionen Hackbraten hinunterzuschlingen. Ein ebenfalls adipöser Ehemann, der sich ausnahmsweise im Griff hat und nur mit den vom Gesetz gedeckten 0,3 Promille durch die Innenstadt zum Krankenhaus gurkt, macht es nicht unbedingt besser.
„Moment“, höre ich so manchen nun protestieren, „die beiden sind ebenso Opfer wie Täter“. Meinetwegen gehen wir auch darauf noch schnell ein. Wenn die beiden gleichermaßen Opfer wie Täter sind, muss es noch einen weiteren Delinquenten geben. Diesen finden wir im Staat. In jenem Staat, der den widerlichsten Fertigfraß subventioniert sowie Drogen in Form von Alkohol und Tabakwaren nicht nur anbietet, sondern mitunter regelrecht verherrlicht. Interessant, dass genau dieser Staat mir nun weismachen will, ich würde mich und meine Mitmenschen gefährden, wenn ich mir keine Spritze verpassen lasse. Laut vom BMG herangezogener Schätzungen sind in Deutschland jährlich 74.000 Alkoholtote zu verzeichnen. Die Zahl derer, die im letzten Jahr ihrer Covid-Erkrankung erlagen, schwankt je nach zu Rate gezogenem Bericht zwischen 30.000 und 42.000. Muss ich Statistiken bezüglich der Gewalttaten unter Alkoholeinfluss bemühen? Ich denke, das sparen wir uns.
Neben dem Ruf nach einer Pflichtimmunisierung wurden in letzter Zeit auch immer wieder Forderungen nach alternativen Lösungswegen laut. Lasst es mich kurz machen: Wer verlangt, dass Ungeimpfte Zusatzversicherungen abschließen oder ihre Behandlungskosten im Fall einer Covid-Infektion selbst tragen sollten, hat eine grundlegend andere Vorstellung vom deutschen Gesundheitssystem als ich.

Apropos Gesundheitssystem, das scheint gegenwärtig ziemlich überlastet zu sein. Ich möchte als Außenstehender nicht final urteilen, allerdings habe ich in den letzten Wochen durchaus auch von Pflegepersonal Zustimmung erhalten. Das heißt keinesfalls, dass die Situation in entsprechenden Einrichtungen nicht untragbar wäre, das heißt nur, dass die Sachlage auch hier nicht ganz so eindeutig ist, wie oft dargestellt. Ungeimpfte wegen der Überlastung eines Systems schuldig zu sprechen, das seit Dekaden von oben herab und innen heraus zerrüttet wird, halte ich mindestens für fragwürdig. Das aber nur am Rande.

Wir sollten nun geklärt haben, was Solidarität bedeutet, oder? Wenn nicht, möchte ich euch noch eine letzte Überlegung mit auf den Weg geben. Ist euch eigentlich bewusst, dass auf diesem wundervollen Planeten jeden einzelnen Tag über 20.000 Menschen verhungern? Hauptsächlich in Asien und Afrika. Wisst ihr außerdem, warum das so ist? Weil der Westen lebt, wie er lebt. Der Westen. Egal wie man es dreht und wendet, ihr seid Teil dieses Westens. Was bedeutet das nun? Allesamt Rassisten oder doch nur unsolidarisch?
Einzelschicksale können schrecklich sein und treiben auch mir bisweilen die Tränen in die Augen. Dennoch bezweifle ich, dass sich sonderlich viele unter euch nachhaltig vom Schicksal Fremder beeinflussen lassen. Eine kleine Spende zu Weihnachten und ab und zu eine Tafel Fairtrade-Schokolade dürften in den meisten Fällen ausreichen, um sich wieder guten Gewissens dem liebgewonnenen Komfort hingeben zu können. Aus meiner Sicht macht einen diese scheinheilige Betroffenheit nicht zu einem guten, sondern zu einem falschen Menschen.

Also, fahren wir fort. Wie war das? Woher unser kleiner Freund (die Rede ist natürlich vom berühmt-berüchtigten Coronavirus) eigentlich stammt, kann nicht mit Gewissheit gesagt werden. Deutet man die Zeichen, führt einen die Spur jedoch nach China. Nimmt man es noch etwas genauer, findet man sich auf einem Fischmarkt in Wuhan wieder. Die lebensverachtenden Umstände, die dort vorherrschen, möchte ich nicht näher beschreiben. Dass der Mensch keinen Respekt vor anderen Bewohnern dieser Erde hat, lässt sich während eines Einkaufsbummels vor Ort aber sicherlich schwer leugnen. Somit ist meiner Meinung nach ziemlich offensichtlich, wer die Verantwortung für die momentane Lage trägt … und damit meine ich nicht nur ein paar Asiaten. Doch anstatt nun zu der Erkenntnis zu gelangen, dass man Umwelt und artfremden Lebewesen in Zukunft mit etwas mehr Respekt begegnen sollte, werden unentschlossene Bürger mit Bratwürsten zur Impfung gelockt. In Österreich wirbt man mit Gewinnspielen – auf Plakaten, die glückliche Personen beim gemeinsamen Weingenuss abbilden. Hauptgewinn stellen nagelneue PKW dar. So oder so ähnlich definiert man wahrscheinlich Realsatire.

Wie steht es wohl um den Gesundheitszustand jenes Durchschnittsdeutschen, der sich mit der Bratwurst zur Immunisierung locken lässt? Rhetorische Frage. Vermutlich also gar nicht blöd, sich impfen zu lassen. Die Alternative wäre, die Konsequenzen seines bisherigen Handelns zu tragen. Im schlimmsten Fall würde das einen schweren Krankheitsverlauf mit potenzieller Todesfolge bedeuten. Vielleicht – Obacht, gewagte These – wäre ein gesunder und rücksichtsvoller Lebenswandel von Vorteil gewesen. Wäre ein gesunder und rücksichtsvoller Lebenswandel obendrein die Regel, gäbe es derzeit womöglich überhaupt keine Pandemie. Nur ein Gedankenspiel. Man kann sich stattdessen aber auch einfach über weltfremde Esoteriker lustig machen, die von ausgewogener Ernährung und intakten Immunsystemen reden.

Ich bin sicher nicht der Meinung, Ausnahmen wie der gesunde Mittzwanziger, der schwer an Covid-19 erkrankt, wären Hirngespinste. Dennoch muss ein nüchterner Blick auf die Zahlen erlaubt sein. Wohlgemerkt haben wir es bei „den Zahlen“ immer bloß mit den offiziellen Angaben zu tun. Dass diese je nach Bedarf ein bisschen nach oben oder unten korrigiert werden können (zum Beispiel, indem man nur noch Ungeimpfte anweist, sich regelmäßig testen zu lassen) und deshalb mit Vorsicht zu genießen sind, dürfte feststehen. Nichtsdestoweniger vermitteln sie einen groben Einblick ins unübersichtliche Coronageschehen.
Schauen wir uns einmal das Durchschnittsalter der Todesopfer an. Hierzu gibt es verschiedene Angaben. Die niedrigste, die ich ausfindig machen konnte, besagt, dass das durchschnittliche Alter der Coronatoten in Deutschland bei 82 Jahren liegt. Zum Vergleich: Ein Kind, das heute das Licht der Welt erblickt, hat eine Lebenserwartung von 81 Jahren. Insgesamt weist Covid-19 eine Letalität von 2 % auf. Gerade einmal 0,4 % aller Verstorbenen waren zum Todeszeitpunkt zwischen 20 und 39 Jahre alt. Eine verdammt niedrige Quote für eine verdammt ausgedehnte Altersspanne. Dass ich angesichts solcher Daten nicht am ganzen Leib zittere, kann man nachvollziehen, oder? Ich weigere mich, mir akute Lebensgefahr einreden zu lassen.
Ich vergaß, Long Covid und so. Ein Drittel aller Erkrankten wird nicht wieder richtig gesund und bleibt langfristig erwerbsunfähig. Das habe ich in einer privaten Diskussion auf Instagram erfahren, nachdem mein Gegenüber mir zugestimmt hat, dass man sich selbst informieren sollte, bevor man mit scheinbaren Fakten um sich wirft. Bitte sehr:

Lasst euch versichert sein, dass ich bei einer Pandemie, die ein Drittel der überlebenden Bürger in Rentner verwandelt, vollstes Verständnis für härtere Maßnahmen zeigen würde. Glücklicherweise haben wir es allerdings nicht mit einer solchen zu tun. Versteht mich nicht falsch, ich negiere weder die Existenz von Langzeitfolgen noch ist es meine Absicht, jene zu verhöhnen, die damit zu kämpfen haben. Trotzdem nehme ich das Risiko in Kauf.

Stur und dickköpfig, was? Dabei sind sich Experten doch einig, dass Covid-Impfungen ungefährlich und Spätfolgen ausgeschlossen sind. Aha, okay. Es ist auch ungefährlich, ab und an eine Kopfschmerztablette einzuwerfen – vermeide ich dennoch. Abgesehen davon scheinen sich gar nicht alle Experten so einig und die Zahl der dokumentierten Nebenwirkungen recht ansehnlich zu sein. Was meinen Puls aber wirklich in die Höhe treibt, ist die erdrückende menschliche Arroganz, mit der in bester Wahrsagermanier präzise Aussagen über zukünftige Entwicklungen getroffen werden.
Wissenschaft ist eine fesselnde Kunst und ich liebe es, mich mit den neusten Erkenntnissen und Entdeckungen zu befassen. Gleichwohl ist kein Mensch dieser Welt, egal ob Wissenschaftler, Mediziner oder Sektenführer, dazu in der Lage, mehr als Theorien aufzustellen. Das können gute und stichhaltige Theorien sein, aber es bleiben Theorien.

Um es ganz deutlich zu machen: Ich glaube nicht, dass die Vektor- und mRNA-Impfstoffe so schädlich sind, wie in dubiosen Telegram-Gruppen behauptet wird. Dahingegen können sie zweifellos als neuartig bezeichnet werden. Ich empfinde es als etwas überheblich, die Bedenken anderer Menschen herunterzuspielen. Man kann versuchen, in den Dialog zu treten, keine Frage. Wenn in den vergangenen Monaten jedoch öffentlich von Aufklärungsarbeit die Rede war, habe ich nicht viel mehr als verständnisloses Drängen vernommen.

Überhaupt sind die Fronten verhärtet. Wer sich eine Meinung gebildet hat, ist von dieser überzeugt. Das Dumme ist, dass ich da draußen ganz viel Schwarmmentalität und so gut wie keine Autarkie beobachte. Ich habe weder ein Problem mit der Impfung an sich noch mit Geimpften. Warum sollte ich? Womit ich ein Problem habe, ist die Stigmatisierung, derer sich ein Großteil der Gesellschaft schuldig macht. Darüber hinaus halte ich eine Impfpflicht unter gegebenen Umständen für Aktionismus und die Befürwortung einer solchen für nicht tolerabel. Toleranz-Paradoxon.
Die Nachrichten von Menschen, die dem Impf-Radikalismus anheimgefallen sind, werde ich zukünftig ignorieren. Insgesamt werde ich nur noch auf ausgewählte Kommentare und Nachrichten eingehen. Nicht, weil ich nicht bereit wäre, meine Meinung zu vertreten und in sachlichen Gesprächen zu erläutern – das habe ich mittlerweile oft genug bewiesen –, sondern weil auch ich meine Zeit nicht länger mit fruchtlosen Diskussionen vergeuden möchte. Wenn ihr mir also widersprecht und auf mehr aus seid, als eurem Ärger Luft zu machen, lasst mich doch bitte wissen, in welchem Punkt und mit welcher Begründung.

Falls sich jemand fragt, ob radikal das richtige Wort ist, um die edelmütigsten Mitglieder unserer Solidargemeinschaft zu beschreiben, empfehle ich, einmal in die Kommentarsektionen unter den neusten Beiträgen zum Thema Impfung zu linsen – sofern diese nicht gesperrt sind. Als Alternative präsentiere ich euch ein Schmuckstück aus meiner privaten Screenshot-Sammlung. Erläuterung dazu: Es handelt sich bei dieser Nachricht um die Reaktion einer ehemaligen Abonnentin auf eine meiner Instagram-Storys. In dieser Story habe ich (zugegebenermaßen etwas zynisch) dargelegt, weshalb ich von einer Impfung absehe, mit vorgeschobenen Solidaritätsbekundungen aufgeräumt und mich sarkastisch als Quasi-Serienmörder bezeichnet. Trotz allem habe ich in derselben Story betont, dass weder Geimpfte noch Ungeimpfte von vornherein zu verurteilen seien.

Auf meine Frage wurde nie geantwortet, stattdessen wurde ich blockiert. Ist das gute Recht der Dame, wenn sie nicht mit mir reden möchte. Warum sie sich dann vorher die Mühe gemacht hat, mich zu kontaktieren, bleibt mir jedoch ein Rätsel.
Fällt eigentlich irgendjemandem auf, dass die Sache inzwischen komplett aus dem Ruder gelaufen ist? In einer Welt, in der man sogar eine Krebsbehandlung verweigern darf, wird einem gesunden Menschen, der davon absieht, sich vorsorglich ein pharmazeutisches Erzeugnis injizieren zu lassen, per Privatnachricht mitgeteilt, dass es schon in Ordnung wäre, wenn er erstickt. Schöne neue Welt.

Nun ja, was heißt „neu“? Die Menschheit war nie besser. In Urzeiten hat man irgendwelchen höheren Mächten seine Artgenossen geopfert, später wurden Frauen, die sich ein wenig mit Kräuterheilmitteln auskannten, auf dem Scheiterhaufen verbrannt und vor 90 Jahren hat man in Deutschland die Partei eines kleinen Mannes mit großem Mundwerk an die Spitze gewählt. Applaus! Seid ihr mit dem Dunning-Kruger-Effekt vertraut? Vielleicht sollte man die Biologielexika aktualisieren und die Definition von Homo sapiens um einen Punkt erweitern.
Nebenbei, erinnert ihr euch an die Zeit, in der AIDS das heiße Ding war? Ich nicht. Da war ich nämlich noch nicht geboren. Wenn ich mir heute allerdings die Berichte aus jenen Tagen zu Gemüte führe, kann ich durchaus ein paar Parallelen ausmachen. Im Großen und Ganzen war man vielleicht nicht ganz so hysterisch, einen wundervollen Sündenbock hatte man mit den Homosexuellen aber trotzdem gefunden.

Eigentlich schade, dass man am Wiener Flughafen nicht schon damals von Soldaten in voller Montur empfangen wurde, die sich nach dem Impfstatus oder dem Testergebnis erkundigen. Das ist nämlich ein amüsanter Anblick und ich hätte ihn auch jenen gegönnt, die während der HIV-Krise von uns gegangen sind.
Wichtige Menschen übernehmen wichtige Aufgaben. Deswegen lässt man nun auch in Deutschland große Heerführer die Immunisierung des Volkes vorantreiben. Süß. Irgendwo aber auch nachvollziehbar. Seit der Abschaffung der Wehrpflicht langweilt sich der eine oder andere Berufssoldat bestimmt. Könnt ihr euch ausmalen, wie heiß der jetzt darauf ist, endlich wieder Leute aus ihren Wohnungen zerren zu dürfen? Okay, das ist selbstverständlich übertrieben. Erstens ist die Impfpflicht noch nicht beschlossen (momentan übrigens mein Lieblingswitz), zweitens werden hier dystopische Szenarien beschrieben, zu denen es niemals kommen wird. Woher ich das weiß? Von der Bundesregierung natürlich. Das sind die, auf deren offizieller Internetseite bis vor Kurzem die Grafik aus folgendem Tweet zu finden war. Vor ca. zwei Wochen wurde sie gelöscht. Ein Schelm, wer irgendetwas dabei denkt:

Aber gut, tun wir doch einmal so, als wäre die flächendeckende Immunisierung von Jung und Alt hinsichtlich der akuten Notlage in der Tat unerlässlich. Kann mir dann jemand erklären, weshalb schon jetzt über verpflichtende Booster-Impfungen gesprochen wird? Irgendjemand? Könnte man die Zeit bis dahin nicht nutzen, um die Kapazitäten der Kliniken auszubauen oder dort Platz zu schaffen? Vielleicht ließen sich ja ein paar adipöse Lungenkrebspatienten abschieb… Wie bitte? Das wäre unsolidarisch? Verzeihung, das wusste ich nicht.
Im Ernst, wenn ich mich recht entsinne, war anfangs keineswegs bekannt, dass der (ansonsten selbstverständlich einwandfreie) Impfschutz sein Verfallsdatum innerhalb weniger Monate überschreiten würde. Hieß es ursprünglich nicht, dass man nach zwei kleinen Piksern fein raus wäre? Manch einer, der sich nur hat impfen lassen, um endlich seine Ruhe zu haben, hat jedenfalls nicht schlecht gestaunt, als plötzlich von Auffrischungsimpfungen die Rede war. Eine gewisse Schadenfreude kann ich diesbezüglich nicht verhehlen. Ist nicht böse gemeint – fühlt euch gedrückt.

Es gilt also, den steten Kreislauf zu durchbrechen, in dem wir gefangen sind, ja? Darf ich euch etwas verraten? Jede Pandemie ist irgendwann vorüber. Auch eine derart fürchterliche. Es ist völlig unerheblich, was auf Delta und Omikron noch folgen mag, früher oder später werden wir mit den neuen Coronaviren leben und alles wird bestens sein. Abgesehen von der Arbeitslosenquote zumindest. Mir ist bewusst, dass sogenannte Verharmlosung derzeit ungefähr mit der Aussprache des Namens von Du-weißt-schon-wem gleichzusetzen ist, wo Überdramatisierung jedoch einen festen Platz in jeder Agenda einnimmt, hilft ein wenig Relativierung dabei, ein wahrheitsgetreues Bild der Umstände zu zeichnen.

Alles in allem bin ich für gegenseitige Rücksichtnahme. Ich bin dafür, weniger zu stigmatisieren und dem Schwarzweißdenken abzuschwören. Dafür, den eigenen Kopf zu benutzen. Wer die Impfung befürwortet, ist weder ein besserer noch ein schlechterer Mensch als der, der sie ablehnt. Es wäre an der Zeit, langfristige Konsequenzen aus der aktuellen Situation zu ziehen und sich in Weitsicht zu üben.
Leider wird das nicht der Weg sein, der beschritten wird. Die Politik setzt weiterhin auf Druck und Panikmache, Machtmissbrauch und oberflächliche Schönheitskorrekturen. Weiterhin werden ins Blaue hinein Versprechungen gemacht, die im Prinzip nichts als Mutmaßungen sind. Menschen, die die Infektion ohne Impfung überstanden haben, werden nun genötigt, sich „immunisieren“ zu lassen. Auch Kindern sollen die neuartigen Impfstoffe injiziert werden. Man muss kein Gesundheitsexperte sein, um das kritisch zu beäugen. Wir haben es hier mit einer gleichermaßen unüberlegten wie übergriffigen Vorgehensweise zu tun und ich missbillige die jüngsten Entscheidungen zutiefst. Ich hoffe, dass dieser Wahnsinn bald ein Ende nimmt. Das Tempo, mit welchem wirre Beschlüsse und Gesetzesumdeutungen geltend gemacht werden, scheint allerdings vielmehr zunehmend angezogen zu werden.

Es steht außer Frage, dass man dadurch weiteren Gegenwind provozieren wird. Nicht jeder Mensch lässt sich auf Dauer unterjochen, ohne dass man Widerstand fürchten muss. Mit Ausschreitungen ist zu rechnen und ich sage offen und ehrlich, dass ich das verstehen kann. Ein überhebliches „Gewalt ist keine Lösung“ geht so lange leicht über die Lippen, wie einem das selbstgeschriebene Gesetz erlaubt, mit subtileren Mitteln zu kämpfen. So lange ist nämlich auch die Gegenseite ohne viel Aufwand in Verruf gebracht. Bildungsferne Schwurbler und aggressive Rechtsextremisten eben, was soll man da erwarten?

All das könnte mir egal sein, denn es betrifft mich nicht direkt. Niemand wird mich ohne Weiteres dazu zwingen können, mich impfen zu lassen. Deutschland liegt hinter mir und ich plane nicht, wieder dort ansässig zu werden. Genauso wenig wie in irgendeinem anderen Staat, in dem eine Impfplicht zu befürchten steht. Trotzdem lässt mich das Thema nicht kalt. Wenn sich unter den Lesern dieser Zeilen auch nur eine Person findet, die anfängt, die Dinge zu hinterfragen, hat sich der Aufwand gelohnt. Unabhängig davon habe ich die ganz leise Hoffnung, dass die Ereignisse der letzten zwei Jahre auch ihr Gutes haben werden:
Im Grunde hat sich die Welt nicht verändert. Vergleichbare Situationen gab es in der Geschichte immer wieder. Themen, die hochgespielt wurden, um grenzwertige Interessen durchzusetzen. Eigentlich ist es unwichtig, ob man mit der heraufbeschworenen Angst vor dem Terror umfassende Überwachungsmaßnahmen rechtfertigt oder jene vor Covid-19 nutzt, um Impfdosen in den Mann zu bringen. Die einzige Besonderheit der gegenwärtigen Lage besteht darin, dass Obrigkeiten bislang selten so viele dilettantische Lügen auf einmal verbreitet haben. Vielleicht stellt sich heraus, dass es nicht ihr schlauster Schachzug war, die Angelegenheit dermaßen aufzubauschen. Vielleicht hat man am Ende doch mehr Skepsis geschürt, als gut gewesen wäre. Ein bisschen Optimismus möchte ich mir bewahren.

Ich bin mir sicher, dass mir in den nächsten Tagen noch einiges einfallen wird, was ich gern losgeworden wäre, aber irgendwann ist die Zeit für einen Schlussstrich gekommen. Ich bedanke mich recht herzlich fürs Lesen und verbanne Covid-19 nun aus meinem Fokus.

Kevin

Solidarität und andere Märchen
                                                        

Kevin Schmidt

Ich wandle zwischen Nostalgie und Zuversicht – das beschreibt mich ganz gut, glaube ich.

12 Kommentare zu „Solidarität und andere Märchen

  • 6. Dezember 2021 um 10:20
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    Nur soviel: Dieser Beitrag ist ein Schlag ins Gesicht für alle, die unter der Erkrankung, deren Folgen oder der aktuellen Situation insgesamt leiden. Und Solidarität als Märchen oder Heuchelei darzustellen … da fehlt offensichtlich die Vorstellungskraft, dass es durchaus Menschen gibt, die uneigennützig handeln. Ich bin raus.

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  • 6. Dezember 2021 um 10:33
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    Dass ich deine Meinung teile, weißt du vermutlich, wenn du meine Beiträge liest … . Und auch ich stelle mir immer wieder die Frage, ist es sinnvoll, da nochmal was zu zu sagen? Gieße ich vielleicht nur Öl ins Feuer? Aber gut, Menschen, die überzeugt sind, dass alles stimmt, was ihnen täglich in den „seriösen“ Medien serviert wird, erreicht man ohnehin nicht. Solche Beiträge tun aber zumindest den Menschen gut, die derselben Meinung sind 😉💞. Aus meiner Sicht ist letztlich die entscheidende Frage, wie gut der Zugang zur eigenen Intuition ist. Diese Frage dürfte entscheiden, welcher Meinung man hier folgt. Ich bin ziemlich sicher, dass sich im nächsten Jahr einiges ändern wird, denn ein Gebäude aufrechtzuerhalten, dem der innere Wahrheitsgehalt fehlt, kostet die Protagonisten eine Menge Energie … . Das wird sich auf Dauer nicht halten lassen. Ich hoffe aber sehr, dass es friedlich bleiben wird. Dass gerade die, die hier mit allerlei Schikanen ausgegrenzt werden, trotzdem ihre innere Haltung von Frieden, innerer Freiheit und auch Liebe bewahren können!!!
    Herzlichen Gruß an dich!

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    • 6. Dezember 2021 um 11:46
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      Das Einzige, was mir noch einfallen würde, wäre Humor. Mit Humor erhöhst du die Energien im Körper und somit öffnen sich wieder die Türen zur Intuition und die andere Wahrheit kommt zum Vorschein. Für alle die öffentlich schreiben oder anderweitig öffentlich tätig sind, wäre Humor, ohne anderen zu schaden, eine Lösung und würde eine große „andere“ Welle hervorrufen.

      Antworten
    • 6. Dezember 2021 um 11:53
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      Wenn du mir jetzt noch verraten würdest, wer du bist … 😉
      Unabhängig davon: Man fühlt sich mitunter doch etwas ohnmächtig. Es freut mich, wenn ich anderen Menschen in irgendeiner Form signalisieren kann, dass sie nicht allein sind. Ich merke nämlich immer wieder, beispielsweise bei Kommentaren wie deinem, dass das auch mir ungemein hilft.

      Vielen Dank und einen herzlichen Gruß zurück. 😀

      Antworten
      • 6. Dezember 2021 um 15:03
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        Meinst du mich? Sorry, ich dachte, das würde angezeigt über wordpress … . Ich bin die mit dem Ichlachemichgesund.blog auf WordPress.

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        • 6. Dezember 2021 um 19:36
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          Ja, irgendwie scheint das nicht immer zu funktionieren. Danke dir. Jetzt kann ich das zuordnen. 🙂

          Antworten
  • 6. Dezember 2021 um 21:17
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    Sehr guter und differenzierter Beitrag. Solidarität ist ebenso zu einem Schlagwort geworden wie Egoismus. Wenn man aber die Frage genau aufwirft, was denn das höhere Gut sein soll, in dessen Sinne sich solidarisiert werden sollte, wird man gleich als Zyniker betrachtet. Wenn das BvG es etwa in einem Urteil gutheißt, dass ganze Generationen mit Defiziten in Bildung und Psyche hingenommen werden müssen, kann man sich aber durchaus fragen, ob das sterbende Fleisch des Einzelnen wirklich so viel schädlicher ist als das kollektive Zugrabetragen des Geistes, was sich lange nach Corona noch auf eine Gesellschaft auswirkt. Das heißt natürlich nicht, dass man jetzt die Menschen sterben lassen soll. Aber wenn immer wieder so undifferenziert vom Allgemeinwohl der Gesellschaft gesprochen wird, wie es in Deutschland gerade stattfindet, um massive Einschränkungen zu fordern, dann finde ich aber, dass verschiedene Blickwinkel auf dieses Allgemeinwohl zugelassen werden sollten.

    Antworten
    • 9. Dezember 2021 um 07:59
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      Das ist eine interessante Überlegung, die du da anstellst. Habe ich so noch nicht betrachtet, aber da ist was dran.
      Ich bin außerdem völlig bei dir, dass verschiedene Blickwinkel auf das Allgemeinwohl gestattet sein sollten. Von Zeit zu Zeit kommen allerdings diese Themen auf, bei denen es scheinbar nur eine Meinung geben kann. Ich wage einfach mal zu behaupten, dass wir von einer aufgeklärten, toleranten Gesellschaft wesentlich weiter entfernt sind, als diese gern zugeben würde.

      Danke dir für deinen Kommentar und die netten Worte.

      Antworten
  • 7. Dezember 2021 um 11:46
    Permalink

    Das wird ein etwas längerer Kommentar, fürchte ich 🙂 Normal sehe ich davon ab, aber in dem Fall mach ich das einfach. Sorry, Kevin, wenn ich hier einen quasi eigenen Beitrag schreibe! 🙂 Dein Text stößt an, mal wieder in die eigene Innenschau zu gehen, danke dafür.

    Krisen gab es zu jeder Zeit in der Historie. Ob Kriege, Seuchen, Hungersnöte, anscheinend kam die Menschheit aus jeder dieser Bedrohungen heil heraus, ansonsten würde sie wohl nicht mehr existieren. Und ich bin sicher, dass sie ihren Weg auch aus der aktuellen finden wird. Möglicherweise schneller, wenn man nicht versucht, wie wild geworden dagegen zu kämpfen … aber das würde jetzt philosophisch werden.

    Ich habe, als das Thema Corona so richtig Fahrt aufnahm, beschlossen, mich ein wenig abzuschirmen vor zu viel Lärm und Trara. Mir die Freiheit zu nehmen, Entscheidungen zu treffen, für MICH. Und andere Menschen genau das Gleiche tun zu lassen. Dafür ließ ich mir gerne Zeit, war nirgends bei den Ersten dabei. Ich arbeite selber im Gesundheitswesen, habe Genesene und Long-Covid-Patienten behandelt, Geimpfte und Ungeimpfte, und am liebsten hab ich mit den jeweiligen Betroffenen selbst gesprochen, nicht mit selbst ernannten Experten aus allen Ecken. Wir hatten richtig gute Unterhaltungen, frei von jeder Positionierung, frei von politischem Gedöns und jeglicher Hysterie. Erstaunlich, dass genau die, die noch nach Monaten mit einem Sauerstoffgerät zu mir kamen, niemanden anklagten, keine Schuldigen suchten und völlig frei von Hetze waren. Das hat mich beeindruckt, und es hat mich nachdenklich gemacht. Ich habe aus diesen Dialogen viel von meinen Patienten gelernt, und sie haben mich dahingehend am positivsten inspiriert in meiner eigenen Meinungsbildung. Obwohl ich mich nicht als angstbefreit bezeichnen würde – da war ich nie hysterisch. Vielleicht auch, weil ich immer an der Front war. Medizinisches Personal muss man nicht durch Lockdowns und Co. schützen, die haben aufgrund ihrer Berufswahl ja bestimmt ein ganz besonders starkes Immunsystem. 😉 Für uns galt: Wird schon gutgehen, und erstaunlicherweise ist es das auch meistens. Wir haben Covid nie geleugnet und auch nicht bagatellisiert – wir gaben ihm den Respekt, den wir für angemessen hielten.

    Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass ich vor einem Monat Besuch hatte, der direkt aus dem Ausland in mein Haus angeflogen kam, Status: ungeimpft. Ich habe mir darüber keine Gedanken gemacht. Ich hatte auch nicht den Anflug von Bedenken. Trotz maximaler räumlicher Nähe haben wir beide das überlebt. Und selbst WENN ein Gedanke daran aufgetaucht wäre: Ich hätte mich jederzeit für die Erfahrung entschieden, dafür, das Leben zu LEBEN, als mich aus reiner Vermeidung darum zu bringen.

    Was aktuell mit der Gesellschaft passiert, macht mir Sorgen, mehr, als es das Virus tut. Ich erschrak zu Tode, als eine meiner Patientinnen, die schon lange zu mir kommt, mich fragte, ob sie als Ungeimpfte zu mir kommen dürfe. Ich dachte, hey, sie kennt mich doch schon so lange, das müsste sie wissen! Aber klar, sie agiert aus einem Schuldbewusstsein heraus, das man ihr suggeriert. Ich weiß, das wird vielen sauer aufstoßen, aber ich hatte in den letzten Monaten mehr Angst vor den Geimpften, die sich verhielten, als gehörte ihnen die Welt. Als könnte ihnen nichts mehr passieren. Ich selber bin geimpft, ohne dazu gelockt oder getrieben worden zu sein, aber ich habe mir trotzdem eine gewisse Demut bewahrt, gefeit sind wir alle nicht.
    Menschen treffen ihre besten Entscheidungen, wenn man sie keinem Druck aussetzt. Die Impfkampagne, sei es durch Anbiederung und dubiose Lotteriespiele, ist abstoßend. Ebenso wie das Gegenteil – eine Impfpflicht. Man kann sie, so man Logik UND Empathie beisammen hat, als nichts anderes als einen Gewaltakt sehen.
    Ich wünschte, die Verantwortlichen hätten von Anfang an mehr auf Dialog, Freiwilligkeit und Konsens gesetzt, hätten aufgeklärt, zugehört, Skepsis und Bedenken ernst genommen, angeboten statt aufs Auge gedrückt. Dann müssten wir jetzt nicht diese verdrehten gesellschaftlichen Entwicklungen tragen. An denen werden wir länger laborieren … das sagt mir mein Gefühl, frei von jedem Expertenanspruch …

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    • 9. Dezember 2021 um 08:03
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      Normal mag mich solche Kommentare auch nicht, aber erstens ist in diesem Fall ja auch der Beitrag etwas ausführlicher als gewöhnlich, zweitens sind alle Punkte, die du ansprichst, wertvolle Ergänzungen.

      Vielen, vielen Dank dafür!

      Antworten
  • 11. Dezember 2021 um 14:22
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    Hallo Kevin,
    ein wirklich großartig geschriebener Beitrag. Du sprichst mir sowas von aus dem Herzen und aus der Seele!…ich könnte es nur niemals so gut formulieren wie Du…Vielen Dank dafür..und lieben Gruss zu Dir:-) Corinna

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    • 12. Dezember 2021 um 20:41
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      Vielen Dank, Corinna. Es tut gut, das zu lesen.
      Lieben Gruß zurück und einen schönen Abend!

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