Das Schweigen zwischen den Sternen

Individualität ist kein absoluter Begriff – und Einsamkeit nicht immer eine Wahl. Fremde versuchen sich anzupassen, Missverstandene sich zu erklären. Überzeugungen werden gebrochen und kollektiver Irrsinn greift um sich. Nur weil ich viele Menschen hinter mir gelassen habe, haben meine Worte nicht weniger Gehör gefunden, folglich bin ich den Weg, den ich gegangen bin, nicht freiwillig gegangen.

Ich möchte mir weder Mitgefühl erschleichen noch bewerbe ich mich um einen Platz in der Selbsthilfegruppe für einzigartige Persönlichkeiten, doch Unverständnis ist mir wohlvertraut. Unverständnis fern einer propagierten Opferrolle. Arroganz und Selbstmitleid sind verführerisch und auch ich bin beidem anheimgefallen, aber das liegt weit zurück. Heute weiß ich, was ich bin – und was ich nicht bin. Ich bin Hass und ich bin Liebe, ich bin Verzweiflung und Zuversicht, bin Dunkelheit und Glanz, Wissen und Unsicherheit und ich bin Mensch … und doch bin ich es nicht. Nicht, wenn ich in die Augen der Menschen blicke.

Ohnmacht brennt tief. Du hilfst mir, mich davon zu lösen. Es ist unwichtig, was der Rest der Welt tut, wenn man kein Teil davon ist. Nein, Einsamkeit ist nicht immer eine Wahl, aber nun, da ich die Wahl habe, möchte ich nicht mehr einsam sein.
Ich respektiere die selbstlosen Idealisten und ihr Bestreben, diesen Planeten zu einem besseren Ort zu machen. Nichtsdestoweniger frage ich mich manchmal, ob sie nicht gegen Windmühlen kämpfen. Fakt ist, dass sich nichts ändert, wenn der Wind sich dreht. Ich glaube nicht an eine reiche Zukunft dieser unserer Spezies, also lass uns einfach mit gutem Gewissen abhauen.

Du weißt, ich bin nicht gut darin, klare Worte zu finden, aber ich weiß, du bist gut darin, zwischen den Zeilen zu lesen. Es ist ungewohnt, Dinge einfach aussprechen zu können. Das Bild, das man von sich selbst hat, verändert sich. Selbstliebe hin oder her, manche Regeln gelten nicht, wenn man in der Fremde wandelt. Ich war zumeist im Reinen mit mir. Ja, ich habe viele meiner Taten verdammt, doch nur selten die Person, die daraus hervorgegangen ist. Nun aber weiß ich obendrein, dass diese Person mehr als ein Trugbild ist.

Irgendwo dort draußen liegt eine Zukunft, die ich mir so nie ausgemalt hätte. Wo genau, das kann ich noch nicht sagen, aber womöglich kennt der nächtliche Himmel die Antwort.


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Nicole
30. August 2021 10:17

Die Emotionen sind die Melodie des Lebens. Wer die Emotionen beherrscht, hat Macht und Einfluss über sein Leben. Die Melodie ist proportional zum Leben.
Vor jeder Veränderung kommt die Stille.