Nicht um des Sieges Willen

Wollt ihr wissen, wie ihr mich zur Weißglut treiben könnt? Ist ganz simpel, werft mir einfach vor, ich hätte bei einem Wettstreit betrogen. Glaubt mir, wenn ich mit der Anschuldigung konfrontiert werde, unfair gespielt zu haben, werde ich ungemütlich … aber damit auch anstrengend. Für gewöhnlich werde ich nämlich nicht lockerlassen, bis ich das Gefühl habe, ihr seht ein, dass ich mich absolut regelkonform verhalten habe.
Die Sache ist folgende: Ich liebe es zu gewinnen, aber nicht ausschließlich um des Sieges Willen. Ich gewinne für mich selbst. Okay, offenbar ist es mir wichtig, dass mein Triumph anerkannt wird, eine aufrichtige Niederlage ziehe ich einem erschlichenen Sieg allerdings zu jeder Tages- und Nachtzeit vor.

Ich gehe sogar so weit, dass ich zumeist auf moderne Hilfsmittel wie Savestates verzichte, wenn ich ältere Videospiele spiele. Außerdem versuche ich mich bei Videospielen allgemein auch dann zu verhalten, als wäre ich völlig ahnungslos, wenn ich im Voraus versehentlich erfahren habe, was mich erwartet – sei es durch nicht gekennzeichnete Spoiler in Videos oder gut gemeinte Tipps von Außenstehenden. Wie oft ich schon in völliger Abwesenheit anderer Personen einen älteren Speicherstand geladen habe, weil sich mein Sieg nicht gerechtfertigt angefühlt hat, lässt sich unmöglich noch zählen.

Mühselig doch motivierend

Natürlich, diesen Stress mache ich mir selbst. Aber wisst ihr was? Ich habe noch nie auch nur eine Sekunde darüber nachgedacht, etwas daran zu ändern. Es mag manchmal mühselig und nervenzehrend sein, doch es ist mir auch unerschöpfliche Motivation. Ich ziehe eine immense Ausdauer daraus, wohlwissend dass es nach außen hin stur oder verbissen wirken mag. Ich gebe nicht auf, ehe ich mit Fug und Recht behaupten kann, den Sieg davongetragen zu haben … oder unwiderruflich verloren zu haben. Entgegen jeder fehlgeleiteten Anschuldigung bin ich nämlich kein schlechter Verlierer, ich bin ein schlechter Kapitulant. Ich war einmal ein schlechter Verlierer, das gebe ich zu, allerdings war ich damals auch noch ein Kind.

Wenn ich heutzutage ehrlich geschlagen werde, habe ich kein Problem damit, es anzuerkennen. Trotzdem bleibt der Sieg mein Antrieb. Es ist mir nicht egal, ob ich gewinne oder verliere, nein, noch weniger egal ist mir jedoch die Gerechtigkeit. Im Grunde ist es gleich, ob wir uns hierbei auf den Wettstreit oder das Leben an sich beziehen: Um zu erreichen, was ich möchte, gehe ich meinetwegen durch die Hölle – aber ich gehe nicht über Leichen.

Nicht um des Sieges Willen
                                                        

Kevin Schmidt

Ich wandle zwischen Nostalgie und Zuversicht – das beschreibt mich ganz gut, glaube ich.

4 Kommentare zu „Nicht um des Sieges Willen

  • 16. August 2021 um 12:29
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    Das sollte doch selbstverständlich sein, nicht zu betrügen und mit erhobenen Haupt, als eventueller Verlierer vom Platzt zu gehen. Na klar, gewinnt jeder gerne. Aber auf Kosten anderer würde ich das nicht wollen. Da käme ich mir schofelig vor.

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    • 16. August 2021 um 23:36
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      Das sollte es, ja. Aber Fairness ist gar nicht so eine Selbstverständlichkeit, wie man glauben möchte.
      Was ich außerdem schon festgestellt habe, ist dass es durchaus Unterschiede bezüglich des Ehrgeizes gibt. Wahrscheinlich gewinnt tatsächlich jeder gern, aber wie viel einzelne Personen bereit sind, dafür zu geben, variiert doch ganz schön. 🤔

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    • 16. August 2021 um 23:37
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      Fairness oder Ehrgeiz?
      Fairness sollte es zumindest sein. Wie viel Ehrgeiz man an den Tag legt, muss jeder selbst entscheiden. 🙂

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