Wir müssen reden

Gestern Abend habe ich mich das erste Mal seit ich in Deutschland bin frei gefühlt. Absolut frei, ohne Verpflichtungen oder unerledigte Aufgaben im Hinterkopf. Ich war eigentlich schon auf dem Heimweg, als ich mich spontan entschieden habe, umzukehren und der Abenddämmerung inmitten des Waldes beizuwohnen. Etwas, was ich seit über einem Monat nicht getan habe, weil ich durchgehend der Meinung war, nicht die Zeit dafür zu haben. Viel zu viele unerledigte Aufgaben, offene Nachrichten und Menschen, die auf mich warteten. Eine ständige Unruhe. Und deshalb müssen wir reden.

Ich habe mich in den letzten Wochen in mehr als ein Korsett gezwängt. Blöderweise habe ich als Konsequenz des Bewegungsmangels zudem ein wenig zugelegt – und das ist eine denkbar ungünstige Kombination.
Anfangs hatte ich richtig viel Spaß mit den Kindergeschichten und den 1.000 Fragen, nach und nach hat jedoch beides begonnen, sich mehr wie eine Verpflichtung anzufühlen.
Der Punkt ist, dass ich es hasse, Projekte nicht bis zum Ende durchzuziehen; wenn ich etwas anfange, mache ich es fertig. In diesem Fall musste ich allerdings abwägen. Besonders Klein-Kevins Einblicke in eine einfachere Welt bedeuten mir so viel, dass ich mich daran nicht abarbeiten möchte, sondern mit Herzblut bei der Sache sein will … und auch hinter allem anderen, was ich veröffentliche, möchte ich voll und ganz stehen. Darum werde ich sämtliche Reihen und größeren Projekte bis auf Weiteres pausieren.

Auch wenn all das hier natürlich insgesamt etwas aufwändiger geworden ist (wofür ich unfassbar dankbar bin, versteht mich nicht falsch; das ist der Wahnsinn für diesen kurzen Zeitraum), will ich die Unbeschwertheit zurück. Ich glaube, es bereitet sowohl mir als auch euch mehr Vergnügen, wenn ich weniger verkopft an die Beiträge herangehe – obschon das gleichzeitig bedeutet, dass ich mehr darauf achte, was ich wirklich schreiben möchte, als darauf, was gut ankommen könnte. Kleine Randnotiz: Es ist erstaunlich, wie schnell man Gefahr läuft, die Authentizität zu verlieren. Und da habe ich ja mal gar keine Lust drauf.

Was ‚pausieren‘ denn jetzt konkret bedeutet? Na ja, ich weiß es nicht. Ich führe die Reihen fort, wenn ich Lust darauf habe und es sich richtig anfühlt. Wundert euch also nicht, sollte ich schon bald wieder weltbewegende Fragen über Dinge wie mein schütteres Haupthaar oder das Hochzeitskleid meiner Träume beantworten … aber rechnet nicht damit. Auch andere Serien oder größere Projekte wirken aktuell nicht sonderlich attraktiv auf mich. Das war ein bisschen viel in letzter Zeit. Bestellt euch mal zwei Wochen am Stück jeden Tag euer Lieblingsgericht (ja, Lieblingsgerichte werden nicht selbst gekocht, sondern kommen vom Lieferdienst 😉), ich garantiere euch, am Ende habt ihr sowas von genug davon – und es ist völlig egal, wie oft ihr schon konstatiert habt, darin baden zu können.
Was ich sagen möchte: Ehe ich das, woran ich an und für sich gern arbeite, irgendwann überhaupt nicht mehr sehen kann, widme ich mich lieber erstmal eine Weile anderen Themen. Mindestens bis ich nicht mehr befürchte, es könnte so weit kommen. Ein paar solcher Themen habe ich bereits in petto, denn es ist höchste Eisenbahn, mich mal wieder näher mit meiner Gedanken- und Gefühlswelt auseinanderzusetzen.

Bevor jetzt allerdings Missverständnisse entstehen: Mir geht es grundsätzlich gut. Ich muss nur einen Gang runterschalten. Was nicht heißt, dass ich mich komplett zurückziehen werde, es geht hier lediglich um die größeren Projekte. Vielleicht muss ich mir auch einfach mal wieder bewusst machen, wie toll mein Leben derzeit ist, das verliere ich nämlich ab und zu aus den Augen … die Sache mit der Dankbarkeit und so. Kriegen wir jedoch alles hin.

Damit bin ich eigentlich auch schon am Ende der heutigen Agenda. Aber wisst ihr was? Ich nutze die Gunst der Stunde, um einmal all jene zu begrüßen, die ich bislang noch nicht begrüßen durfte. Gerade über Facebook und Instagram (und so langsam auch über Pinterest) finden immer mehr Menschen ihren Weg hierher, und ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie sehr ich mich darüber freue! Jedenfalls: Herzlich willkommen, macht es euch bequem und fühlt euch wie zu Hause! Außer ihr verhaltet euch zu Hause wie ich in meiner Jugend. Dann benehmt euch gefälligst. 😉

Einen wundervollen Resttag wünsche ich
Kevin

Wir müssen reden
                                                                

Kevin Schmidt

Ich wandle zwischen Nostalgie und Zuversicht – das beschreibt mich ganz gut, glaube ich.

25 Kommentare zu „Wir müssen reden

  • 30. Juni 2021 um 18:48
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    Hallo Kevin,
    als du am 23.05. geschrieben hast, dass du am 25. Mai nach Deutschland fliegst, wollte ich dir eigentlich schreiben, weil exakt am selben Tag ich ebenso von Portugal, meiner Wahlheimat, nach Deutschland gefahren bin, aber wie das so ist, in der Hektik ist das untergegangen. Und da wäre ich auch schon beim Thema: Keine Zeit, ständige Unruhe, ein deutsches Phänomen, dem ich bereits bei der Vorbereitung und Fahrt nach Deutschland auf dem Leim gegangen bin – wir scheinen das im Blut zu haben. Keine Zeit für nichts zu finden ist ein Grund, warum ich nach Portugal ausgewandert bin und ich kann das sehr gut nachempfinden, dass du wieder nach Schweden willst, in die Ruhe und zu dir selbst. Seit zwei Wochen bin ich wieder Zuhause und ich kann dir mit Fug und Recht sagen: Endlich wieder Ruhe – die wird dich auch wieder umarmen. Freu‘ dich drauf. Liebe Grüße Ralf

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    • 1. Juli 2021 um 01:07
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      Hallo Ralf (ich habe es bislang immer vermieden, dich direkt anzusprechen, weil ich nicht wusste, ob so oder mit Ralf-Peter 😉),

      das ist sehr interessant. So habe ich es noch gar nicht betrachtet. Zumindest nicht bewusst und direkt. Da könnte etwas dran sein.
      Ja, ich freue mich schon wieder sehr auf Schweden, obwohl es noch eine Weile dauern wird. Mein Aufenthalt hier wurde notgedrungen verlängert.
      Es freut mich, dass du wieder zurück in Portugal bist. Ein äußerst selbstversorgerfreundliches Land. Steht auf meiner Liste – nur das Klima bereitet mir Sorge. 😉

      Danke dir für den ausführlichen Kommentar!

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      • 1. Juli 2021 um 01:14
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        Hallo Kevin,
        danke für deine Antwort. Also, wenn es dich doch mal nach Portugal ziehen sollte, hast du hier schon mal eine Ansprechadresse 🙂. Dir wünsche ich auf jeden Fall eine gute Rückreise, dann, wenn es soweit sein sollte ✈.
        Liebe Grüße
        Ralf

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        • 1. Juli 2021 um 01:33
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          Das ist super. Kontakte sind immer von Vorteil. 😉

          Es ist erst im August soweit, aber ich bedanke mich!

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  • 30. Juni 2021 um 18:58
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    Mega schade irgendwie was du da schreibst. Finde es auch irgendwie nicht gut, dass das hier zu sowas für dich geworden ist, als wäre es ein Zwang oder Verpflichtung. Ich hab WordPress immer als was Erleichterndes empfunden. Hoffe es wird bei dir auch wieder so.

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    • 1. Juli 2021 um 01:16
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      Das ist eine Spezialität von mir. Das schaffe ich auch bei Serien oder Videospielen.
      Es ist aber eigentlich gar nicht so schlimm, ich habe immer noch Spaß daran. Vor allem an für sich stehenden Beiträgen. Nur haben mir das grundlegende Stresslevel hier in Deutschland und diese Reihen ein bisschen die Inspiration genommen. Aber ich sehe es als Herausforderung. Es ist nämlich nicht so, dass ich keine Ideen hätte, es fällt mir bloß ab und an schwer, die richtigen Worte zu finden.
      In den lichten Momenten ist alles wunderbar. Und die hole ich mir jetzt zurück. 🙂

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  • 30. Juni 2021 um 19:18
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    Kann das sehr gut nachvollziehen; ich schreibe am liebsten einfach, ohne Vorgabe. Alles andere setzt mich mit der Zeit auch unter Druck.

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  • 30. Juni 2021 um 19:27
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    Ich hab am Anfang meines Bloggerlebens mich auch total übernommen. Es gibt ja ohne Ende Aktionen, die man machen kann. Ich hab gerne mitgemacht – aber mich dann immer mehr unter Druck gefühlt. Kommentare überall lesen und andere Blogs besuchen und auf jeden Fall dabei sein und und und…..ich war richtig im Stress. Dann hab ich die Bremse gezogen. Ich hab Aktionen ausgewählt, die nicht so viel Besuch haben. Da kommt der Moderator und antwortet, man kann sich austauschen und hat Spass. Ist nicht ganz, das was du so fühlst – aber ich hatte auch einfach nur noch das Gefühl – muss, muss, muss….
    Ich hab also das Gas rausgenommen und so nach und nach halt das gemacht was mir Spass machte. Dadurch hat man auch einen festen Stamm an Bloggern mit denen man sich regelmässig austauscht. Das macht nämlich den Spass aus.

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    • 1. Juli 2021 um 01:22
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      Es geht zumindest in eine ähnliche Richtung.
      Bei mir ist viel dem Perfektionismus geschuldet, der mir diktiert, alles und alles ganz genau, sofort und umfassend tun zu müssen. Ich habe das hier zwar einigermaßen unter Kontrolle, aber eben nicht komplett.
      Im Endeffekt ist es egal, woher er kommt, wir wissen beide, dass uns Druck nicht guttut. Und auch ich werde noch einen Weg finden, ihn rauszunehmen. 🙂

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  • 30. Juni 2021 um 21:02
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    Ein Zwang sollte Bloggen nicht sein. Auch keine Sucht. Sagt sich so leicht; dieser Sog ist jedoch stark.

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    • 1. Juli 2021 um 01:27
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      Ich schaffe es bei allem, so einen Zwang reinzubringen. Darin bin ich spitze. Allerdings habe ich mir fest vorgenommen, es hier auch zu schaffen, ihn wieder rauszunehmen. Denn, ja, du hast recht. Es sollte weder Zwang noch Sucht sein.

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      • 1. Juli 2021 um 04:08
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        Es freut mich dass Das für dich wahr ist. Für mich ist etwas temporär und situativ wahr wenn ich es infolge einer einstigen oder aktuellen Erkenntnis, einer tiefen Einprägung lebe.
        Lieben Gruß

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  • 30. Juni 2021 um 23:32
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    Tu was Du willst und für richtig hältst.
    Schreibe, frei und ungebunden! Ich lese am liebsten, was keinem Zwang unterliegt.
    Pause, na und?
    Ich lese, was Du schreibst, wenn Du schreibst, ich verlange nichts.
    Mein einziger Wunsch: Sei Du selbst, nichts ist wertvoller. Gönne mir die Überraschung Deiner Einzigartigkeit….
    LG Michael

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    • 1. Juli 2021 um 01:31
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      Frei und ungebunden, du sagst es, Michael. Das ist genau das, wo ich wieder hinwill.
      Daran habe ich am meisten Freude und dabei kommt das Beste raus. Dabei bin ich nämlich ich selbst.

      Ich danke dir! 🙂

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  • 1. Juli 2021 um 09:43
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    Lieber Kevin,

    Du wirst Dich vielleicht wundern, dass bei Dir jemand kommentiert, der hier kein Blog betreibt, aber ich habe selbst tatsächlich über zehn Jahre lang gebloggt und ganz wunderbare Erfahrungen dabei gemacht.

    In diesem Post ist mir ein Satz ganz besonders ins Auge gestochen:
    „Es ist erstaunlich, wie schnell man Gefahr läuft, die Authentizität zu verlieren. Und da habe ich ja mal gar keine Lust drauf.“
    Und damit hast Du völlig recht – da liegt die Gefahr.
    Erst dieser Tage schrieb ich einer lieben Freundin über das Bloggen:
    Wer auf Quote bloggt, weil er glaubt, seinen Selbstwert damit stärken zu können, wird zwangsläufig seine Authentizität einbüßen und sich noch mehr von seiner Seele entfernen.

    Bitte, Kevin, lass es nicht soweit kommen. Ich spüre diese schöne Seele in Dir.
    Du kannst so wunderbar schreiben, wenn die Worte aus Deiner Tiefe kommen. Da kann ein einzelner Eintrag tausendmal wertvoller sein als jeder der zig in Blaue geschossenen. Und nur diese wertvollen zählen. Zumindest meinem Empfinden nach.
    Auserlesene Blogeinträge ziehen auch eine auserlesene Leserschaft an. Die wird selten groß sein, aber Du wirst die ganz besonderen Menschen darunter finden.

    In diesem Sinne wünsche ich Dir: Komm zur Ruhe und schreibe nur, wenn Dir die Stimme Deines Herzens einen Eintrag diktiert. Du wirst Dich selbst wohler damit fühlen und Deine Leserschaft wird es Dir danken.

    Liebe Grüße
    Frank

    Antworten
    • 1. Juli 2021 um 18:20
      Permalink

      Danke dir, Frank.

      Du hast absolut recht, und ich habe nicht vor, es so weit kommen zu lassen. Deswegen auch diese Konsequenz. Das war wichtig, ich merke nämlich schon jetzt, dass ich mich deutlich freier fühle. Und in Freiheit entstehen die schönsten Zeilen. 🙂

      Antworten
  • 1. Juli 2021 um 10:23
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    Hallo Kevin,
    ich kann Deine Gedanken sehr gut nachvollziehen.
    Danke, Dein Beitrag hat mir gerade den richtigen Impuls gegeben, wieder auf „mein“ Gleis zurückzukehren. Es ist gefährlich leicht, vom eigenen Wesentlichen abzuweichen. Bei mir überdeckt die aktuelle Situation der Welt derzeit meine ursprüngliche Absicht beim Schreiben. Zeit, dahin zurückzukehren, was ich geplant hatte, und was mir am Herzen liegt …
    Hab einen wundervollen Tag.
    Liebe Grüße
    Wilma

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    • 1. Juli 2021 um 18:25
      Permalink

      Hallo Wilma,
      freut mich, das zu lesen. Diese Notbremse zu ziehen, war für mich auch sehr wichtig. Ab und zu muss man vielleicht einfach daran erinnert werden, für welchen Weg man sich ursprünglich entschieden hat. Wenn man dann feststellt, dass man ihn immer noch gehen will, ist der Zeitpunkt gekommen, auf ihn zurückzukehren – ganz egal, woher der Denkanstoß letztlich kam.

      Einen schönen Abend 🙂

      Antworten
  • 2. Juli 2021 um 18:19
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    Manchmal muss man sich die Zeit stehlen, ich dachte auch immer, ich muss alles erledigen. Das ist STRESS pur. Mir hat jemand gesagt, nimm dir die Zeit. Dein Leben ist jetzt. Ich musste es lernen und habe mir gewisse Auszeiten geschaffen, nicht immer Präsent zu sein. Es ist ein anderes Lebensgefühl. Achte auf Dich.

    Antworten
    • 2. Juli 2021 um 20:09
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      Danke dir. Ich trete jetzt auf jeden Fall kürzer, bzw. bürde mir weniger auf. Ist kein Drama, etwas einfach mal nicht zu tun.

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  • 3. Juli 2021 um 21:01
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    Hallo Kevin, bin wieder zurück von Usedom und wollte deinen Beitrag gern noch kommentieren. Nein, eigentlich nur sagen, wie recht du mit dieser Einstellung hast. Man ist so schnell in neuen Mühlen drin. Gut, dass du für dich gemerkt hast, dass du das so nicht möchtest. Ich denke, dann bleibt es auch ehrlicher und wird nicht irgendwann zu einem Fließbandprodukt. Aus diesem Grund bin ich froh, dass meine Seite in erster Linie für mich ist und nicht für andere. Wenn sie anderen gefällt und sie Freude daran haben, freue ich mich natürlich. Aber so entgehe ich dem Druck, liefern zu müssen 🙂 Liebe Grüße Claudia

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    • 4. Juli 2021 um 22:36
      Permalink

      Willkommen zurück!

      Dass es ehrlich bleibt, ist mir sehr wichtig, ja. Ich dachte, ich wäre ohnehin gefeit davor, die Aufrichtigkeit zu verlieren, aber ich glaube, das ist kaum jemand. Ich bin sehr froh, es noch rechtzeitig bemerkt zu haben. Erstmal bin ich also wieder gefeit davor. 😉

      Mach das so weiter wie bisher, dann kann bei dir nichts schiefgehen. 🙂

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