Schweden im Handgepäck

Unglaublich, aber am Dienstagmorgen werde ich zum ersten Mal seit über sechs Monaten einen Fuß auf deutschen Boden setzen. Ich kehre nicht endgültig zurück, aber ich werde immerhin für eineinhalb Monate dort sein. Natürlich freue ich mich darauf, einige Freunde und Bekannte sowie Verwandte wiederzusehen, aber andererseits weiß ich schon jetzt, dass mir die Ruhe hier fehlen wird.

Ich kann noch nicht sagen, wie viel Zeit ich während meines Aufenthalts in der Heimat fürs Schreiben und Lesen haben werde, unter meinen Entwürfen habe ich jedoch noch einige unveröffentlichte Beiträge gespeichert. Ein paar fürs (zugegeben bislang eher spärlich bestückte) Nihilismusarchiv und ein paar, die für eine völlig neue Kategorie gedacht sind. Obendrein habe ich eine Idee, deren Realisierung überhaupt erst möglich wird, weil ich nach Deutschland fliege. Ich glaube, die ist ganz nett. Ich bin ja bescheiden.
Was ich aber eigentlich sagen will: Seht es mir nach, wenn ich ein bisschen weniger aktiv sein sollte und infolgedessen auch etwas länger brauche, um auf Kommentare oder Nachrichten einzugehen.

Es sind eine Menge toller Dinge geplant. Mein Neffe wird fünf Jahre alt und wenn alles klappt, feiern wir seinen Geburtstag in einem Freizeitpark. Außerdem werde ich einen Freund wiedertreffen, den ich seit mindestens anderthalb Jahren nicht mehr gesehen habe. Und dann wäre da natürlich noch die geplante Deutschlandreise mit einer Freundin – also eine Deutschlandreise während meiner Deutschlandreise. Wir haben vor, ein paar Lost Places und Spukorte (ich glaube, es gibt wirklich kein besseres Wort dafür) zu besuchen und das Ganze mit ein paar Wanderungen abzurunden. Ich bin sehr gespannt.

Trotzdem gibt es eine Sache, die mich etwas verunsichert, wenn ich ganz ehrlich bin, und das ist die allgemeine Stimmung in Deutschland. Was ich seit meiner Ankunft in Schweden von dort unten so mitbekommen habe, macht mich nervös. Ich rechne mit von unterschwelliger Panik gestressten Menschen und vielen Fingern, die in alle möglichen Richtungen, nur nicht auf sich selbst zeigen. In Sachen Corona war es eine Wohltat, gerade im Winter nach Schweden abgehauen zu sein. Aber wir werden sehen, ich möchte meinen Finger nicht schon erheben, bevor ich gelandet bin. Zumal wir, wenn wir das richtig verstanden haben, bei negativem Test noch nicht einmal in Quarantäne müssen. Weil wir Verwandte besuchen. Das ergäbe zwar keinen Sinn, beruhigt mich aber ein wenig.

Ach, es macht mich wehmütig, an meine Abreise zu denken. Am liebsten würde ich Schweden einfach mitnehmen. In meinem Handgepäck wäre noch Platz. Ich weiß doch gar nicht, ob ich überhaupt noch gesellschaftsfähig bin … also, wenn ich das jemals war.
Wie ist das denn, auf Waldspaziergängen diesen sogenannten Menschen zu begegnen? Kommen die da öfter vor oder ist das eine bedrohte Art? Und kann man tatsächlich beruhigt einschlafen, wenn verwirrte Exemplare jener Spezies mitten in der Nacht auf den Straßen rumposaunen, dass sie sich gegenseitig … ähm … liebhaben werden? Ich werde es herausfinden.
Außerdem werde ich herausfinden, was es mit diesen mysteriösen Kraftfahrzeugen auf sich hat, deren Sirenen bei jedem Telefonat mit ortsansässigen Deutschen durch den Hintergrund hallen. Das wird aufregend.

Schweden im Handgepäck
                                                    

Kevin Schmidt

Ich wandle zwischen Nostalgie und Zuversicht – das beschreibt mich ganz gut, glaube ich.

14 Kommentare zu „Schweden im Handgepäck

  • 23. Mai 2021 um 16:38
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    Lieber Kevin, seit einigen Tagen verfolge ich Deinen Blog und muss Dir ein Kompliment aussprechen: Du schreibst wirklich GUT.
    Von Deinem heutigen Beitrag fühle ich mich auf besondere Weise angesprochen. Es ist schon der Titel „Schweden im Handgepäck“, der mich aufhorchen ließ. Der Grund: Ich habe Schweden im Hinterkopf. Und es ist genau das, was Du von diesem schönen Land schreibst (Ruhe, Abgeschiedenheit …) Erst recht verstehe ich Deine Gedanken, wenn Du an die Einreise nach Deutschland denkst.
    Zwar war ich noch nie in Schweden, aber ich habe in den vergangenen Monaten immer wieder nachgeschaut, welche Möglichkeit es gibt, dorthin umzusiedeln. Für Schweden spricht sehr vieles: Land (fantastisch), Leute (liebenswert), Lebensstandard u. e. m. Dazu muss ich sagen, dass ich seit ein paar Jahren schon Gedanken ans Auswandern habe, weil ich Deutschland längst nicht mehr als erstrebenswerte Möglichkeit ansehe, hier zu leben und alt zu werden (Letzteres erst recht nicht).
    Ich bin gespannt, wie Deine Erfahrungen in Deutschland sein werden nach längerer Abwesenheit, und hoffe, Du wirst uns daran teilhaben lassen. Freue mich auf Deine nächsten Beiträge.
    Hab unter allen Umständen eine gute Zeit in Deutschland und bis bald …
    Liebe Grüße
    Wilma

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    • 23. Mai 2021 um 22:56
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      Hallo Wilma,

      vielen, vielen Dank für den ausführlichen Kommentar und die lieben Worte. 😀

      Gerade wenn man auch die Ruhe und Abgeschiedenheit schätzt, wird Schweden wahnsinnig interessant, weil diese einzelnen Höfe und Häuser in den Wäldern unfassbar günstig sind. Jedenfalls wenn man das mit den Preisen in anderen Ländern vergleicht.
      Aber auch, was du sonst über das Land sagst, ist korrekt. Und, ja, in Deutschland laufen ein paar Dinge ganz seltsam, die einem tatsächlich erst auffallen, wenn man einen Einblick von außen erhaschen kann.

      Ich bin ebenfalls gespannt. Und ich bin zuversichtlich aus der einen oder anderen Sache Inspiration ziehen zu können. 😉

      Einen wundervollen Feiertag wünsche ich dir!

      Antworten
  • 23. Mai 2021 um 17:39
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    Ich wünsche dir viel Spaß und Freude in „deiner Heimat“ ; Schweden kommt bestimmt gedanklich mit. 🙂 Deine Sorgen kann ich verstehen, dir aber versichern, dass es auch entspannte Menschen gibt. Hier ist zum Beispiel einer davon. Auf deine Beiträge bin ich schon gespannt. Liebe Grüße 😊

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    • 23. Mai 2021 um 22:59
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      Danke dir. 🙂
      Ja, ich glaube so schnell werde ich es nicht vergessen. Und dass es Menschen wie dich gibt, beruhigt mich zusätzlich ein wenig. 😉

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  • 23. Mai 2021 um 17:44
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    Von einem ruhigen Ort zurück in eine belebten Gegend zu kommen, ist immer gleichzeitig ein Abenteuer und ein Albtraum. Ich wünsche dir, dass du dich trotzdem wohlfühlst – und bin gespannt auf deine Eindrücke!
    Ungefähr so, wie du die Stimmung in Deutschland beschreibst, stelle ich es mir derzeit in den USA vor… Vielleicht stumpft man ab und gewöhnt sich an die Hektik, oder hier bei mir ist es einfach sehr entspannt und ruhig.
    Und was diese „Menschen“ angeht… Die meisten haben mehr Angst vor dir als du vor ihnen, besonders im Wald 😉 Ich wünsche dir eine schöne Zeit!

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    • 23. Mai 2021 um 23:04
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      Ich bin bei meiner Schwester, soo schlimm wird es also nicht werden. 😉
      Das ist schon möglich. Man gewöhnt sich vielleicht einfach an die Umstände. Wobei es Dinge gibt, an die ich mich auch vor meiner Abreise nie gewöhnt habe, also, ja, vielleicht ist es bei dir einfach sehr entspannt und ruhig. 😀
      Das macht mir Mut. Ich werde versuchen, das zu verinnerlichen.
      Danke sehr, die wünsche ich dir auch. 😉

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  • 24. Mai 2021 um 09:00
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    Oh ha, da wünsche ich einen sanften Wiedereinstieg hier, wirst dich wundern wie „laut“ das hier ist

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  • 25. Mai 2021 um 13:44
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    Ich bin neu in dieser Blog-Welt. Es ist sehr schön (und einnbisschen überraschend muss gestehen), so viele empfinsame Leute zu treffen. Warum gibt es sie nicht auf der Straße? Ich freue mich sehr auf die comunity. Danke

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    • 26. Mai 2021 um 13:06
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      Dann herzlich willkommen. 😀

      Das ist eine gute Frage. Zwei Möglichkeiten: Entweder es wirkt nur so, dass wir so viele wären, weil wir hier eben zusammenkommen, oder die Menschen auf den Straßen geben sich alle nicht so, wie sie wirklich sind. 😉

      Danke dir für deinen Kommentar!

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  • 26. Mai 2021 um 18:21
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    Lieber Kevin, ich kann dich beruhigen, aus der Entfernung hört man nur die lauten Töne.
    Viel Spaß!

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