Von nun an

(Ich weiß nicht genau, wie das mit diesen Triggerwarnungen funktioniert und ob sowas in diesem Fall nötig ist, aber ich werde im Folgenden unter anderem Themen wie Selbstmordgedanken, Ausweglosigkeit und Autoaggression behandeln. Die eigentliche Aussage ist zwar eine positive, aber vereinzelt werde ich doch sehr deutlich.)

Vor ein paar Wochen lag ich noch in voller Montur im Bett. Oft. Ich habe mich am hellichten Tag und egal, womit ich eigentlich gerade beschäftigt war, dorthin geschleppt und mir nicht einmal die Mühe gemacht, die Schuhe auszuziehen oder die Tür zu schließen. Wäre ich nicht sowieso auf dem Hof gewesen, hätte ich mich auch überall sonst hingelegt. Ich wusste schlichtweg nicht weiter und hatte keine Kraft mehr. Keine Kraft für irgendetwas. Manchmal habe ich mir noch gegen den Kopf geschlagen oder geheult, aber meistens lag ich einfach nur da, absolut antriebslos.

Mein Wunsch war es zu sterben. Alle Möglichkeiten, mir diesen Wunsch zu erfüllen, bin ich durchgegangen. Die einzig verlässlich realisierbare Variante schien mir, mich in der Scheune zu erhängen. Ich wäre lieber irgendeinen Abhang hinunter- oder von einer Brücke gesprungen, aber die Landschaft hier macht so etwas unmöglich.
Unangenehm, von der eigenen Mutter am Strick baumelnd vorgefunden zu werden, dachte ich mir. Überhaupt, die Vorstellung, wie sie von meinem Ableben erfahren würde, zeriss mir das Herz. Und was wäre mit meiner Schwester? Wie zum Teufel würde sie das meinem Neffen erklären?
Vorbei. Zu sterben war keine Option. Vollkommene Ausweglosigkeit.

Das einzige Verlangen, das ich hatte, konnte nicht gestillt werden. Also warten. Einfach auf den Tod warten. Einfach warten, bis er kommt. Ich war häufig nicht einmal fähig, irgendein belangloses Youtube-Video zu starten. Das hat mich überfordert. Wenn ich Energie aufgewendet habe, dann um meine Aggressionen und meine Verzweiflung zu kanalisieren. Ich habe mich selbst verletzt, rumgebrüllt und Dinge kaputtgemacht.
Ich habe in den letzten Monaten Gegenstände im Wert von fast 1000 Euro zerstört: Zwei Handys, zwei Brillen, Tastaturen, Mäuse, Kopfhörer, Geschirr, Besteck und andere Kleinigkeiten. Ich lief durchgehend am Limit und das hat auch das Mobiliar zu spüren bekommen. Am Ende dieser Entgleisungen stand jedes Mal wieder die totale Resignation.

Irgendwann begann ich, nach neuen Denkmustern zu suchen. Nicht weil ich Hoffnung geschöpft hatte, sondern weil ich die quälenden Gedanken loswerden wollte. Weil ich die Resignation perfektionieren wollte. Ich fing an, mich oberflächlich mit spirituellen Themen und schließlich auch mit Persönlichkeitsenwicklung zu beschäftigen. Geglaubt habe ich an all das, was mir da von irgendwelchen Erleuchteten oder dahergelaufenen Motivationscoaches erzählt wurde, natürlich nicht. Nicht ernsthaft. Ich habe eines Nachts, als ich keinen Schlaf fand, die nette Dame, die mir über ihren Podcast den Weg in ein erfüllteres Leben weisen wollte, angeschrien und mit zahlreichen obszönen Beleidigungen bedacht. Anschließend habe ich angefangen zu weinen.

Schon seit meiner Jugend bin ich mit Negativität vertraut. Lebensverneinende Sichtweisen waren „mein Ding“, „Life disgusts me“ sowas wie mein Lebensmotto. Das hatte mal mehr, mal weniger Substanz, aber es war immer da. Ich habe einen missglückten Selbstmordversuch hinter mir und ich habe meinen Körper wie ein Stück Dreck behandelt. Oftmals bewusst.

Menschen, die mir Sachen im Sinne von „ich war einmal wie du“ erzählt haben, habe ich nicht ernst genommen. Wer anders dachte, konnte niemals wie ich gewesen sein. Solche Leute waren Heuchler. Solche Leute hatten nicht kapiert, was wahre Negativität bedeutete. Solche Leute hatten niemals dasselbe empfunden wie ich.
Und nun stehe ich hier und bin in gewisser Weise einer von ihnen. Auch ich behaupte zu wissen, wovon ich spreche. Ich war ganz unten. Ganz, ganz unten. Ich weiß, wie es dort unten ist und ich will nicht mehr dorthin zurück. Nie wieder. Und ich werde nicht dorthin zurückkehren. Nie. Wieder.

Ich kann keine Lösungswege aufzeigen, denn ich weiß nicht genau, was mich hierhergeführt hat. Ich kann nur Vermutungen anstellen. Ich habe mich mit meiner Vergangenheit auseinandergesetzt, bin wieder mit Menschen in Kontakt getreten, habe viel nachgedacht – auch über deren Worte – und habe irgendwie verstanden, dass es weder mir noch sonst jemandem hilft, wenn ich am Grund der Existenz verweile.

Das ist ein entscheidender Punkt. Ich habe auf die immer gleichen Motivationssprüche und -erkenntnisse allergisch reagiert. Ich war unendlich genervt von ihnen, wenn sie mich nicht sogar wütend gemacht haben. An guten Tagen habe ich sie einfach nur belächelt. Einfallsloser, ausgelutschter Müll. Das Ding ist, dass an vielem davon etwas dran ist und wenn man das verinnerlicht hat, sieht die Welt anders aus. Es ist immer noch schön, frische Worte und Ausdrucksweisen zu finden, doch die Kernaussagen bleiben dieselben. Und diese sind letztlich das Entscheidende.

Ich bin von tiefer Zuversicht erfüllt. Ich zweifle zwar ab und zu und auch der altbekannte Druck auf meiner Brust macht sich noch von Zeit zu Zeit bemerkbar, aber es fällt mir immer leichter, alldem den Schrecken zu nehmen. Es sind nur Gedanken, es ist nur ein Gefühl. Nichts Greifbares, nichts objektiv Begründbares. Jedes Empfinden ist subjektiv.
Glücklicherweise hatte ich in jüngster Vergangenheit keine Schicksalsschläge zu beklagen, weshalb ich nicht weiß, wie sehr mich ein solcher aus der Bahn werfen würde, doch jetzt, in diesem Augenblick, geht es mir aufrichtig gut. Der Rest kommt später.

Ich habe und hatte zwar mit keinen Schicksalsschlägen zu kämpfen, allerdings hat sich im Äußeren auch nichts zum Positiven verändert. Nur in mir drin sieht es anders aus. Ich habe weniger Angst und ich glaube zum ersten Mal in meinem Leben wirklich, dass ich eigentlich ein ganz cooler Typ bin. Niemand, der besser als andere wäre oder sein muss, aber auch niemand, der sich davor fürchtet, jeden Moment von irgendwem verurteilt zu werden. Niemand, der irgendetwas beweisen muss. Dafür aber jemand, der endlich bereit ist, sein Leben anzugehen – und jemand, der darauf mächtig Lust hat. Um in Sachen Kitsch zum Schluss nochmal einen draufzusetzen: Ich habe das Gefühl, dass mein Leben jetzt endlich beginnt. Jetzt, mit 30.

Was ist das Fazit des Ganzen? Es ist möglich. Ich bin nunmehr hundertprozentig überzeugt davon, dass zumeist, vielleicht sogar immer, ein Weg hinausführt. Ich habe gut reden, sicherlich, die äußeren Umstände scheinen mir wohlgesonnen – aber es geht mir nicht darum, anderen zu sagen, was sie zu fühlen haben. Ich möchte niemandes Leid herunterspielen und niemandem zu nahe treten, denn jeder hat seine eigene Geschichte. Ich möchte nur meine eigene teilen.

Ist es zu früh, große Reden zu schwingen? Ich weiß nicht. Ich glaube nicht. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass das schon seine Richtigkeit hat. Und wenn sich das wieder ändern sollte, na ja, dann gehe ich den Weg eben nochmal. Ich habe keine Lust mehr zu weinen, ich habe keine Lust mehr, ängstlich zu sein, ich habe keine Lust mehr zu leiden. Ich habe die Hälfte meines bisherigen Lebens damit verbracht, das reicht. Zumal ich weiß, wo es mich hingeführt hat, ständig hinabzublicken. Immer weiter nach unten; von Jahr zu Jahr ein Stück tiefer. Von nun an richte ich den Blick also nach vorne. Schlau, was?

Von nun an
                                                

Kevin Schmidt

Ich wandle zwischen Nostalgie und Zuversicht – das beschreibt mich ganz gut, glaube ich.

24 Kommentare zu „Von nun an

  • 21. Mai 2021 um 08:47
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    Schön, dass du es selbst schon geschrieben hast: Wenn es doch mal wieder abwärts geht, dann geht man den Weg eben nochmal. Ich merke gerade, wie wichtig diese Aussage für mich ist, weil ich diesen Weg schon ging und jetzt aktuell mich so fühle, wie es dir in deinem Text zu Beginn ging. Vermutlich ist es ein guter Einstieg, das festzustellen und es vor sich selbst zu gestehen, dass man gerade festhängt und dass man sich dort auch hinauskämpfen kann.
    Ich stelle immer wieder fest, wie viel mir deine Einträge geben. Vielen Dank

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    • 21. Mai 2021 um 10:32
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      Hi Ben,

      ich danke dir wieder für deinen Kommentar. Ich habe mich schon manchmal gefragt, wie es dir gerade geht und hatte die leise Hoffnung, dass es besser geworden wäre.
      Es freut mich allerdings zu hören, dass du schon einmal weißt, dass es einen Weg hinaus gibt. Und wenn meine Beiträge dich in irgendeiner Form unterstützen, freut mich das ebenfalls sehr. Ich wünsche dir das Beste.

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  • 21. Mai 2021 um 10:14
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    Lieber Kevin, ich habe eine Kommilitonin von mir erhängt im Bad gefunden. Ich bitte Dich dringend: Tu das niemandem an. Das ist der blanke Horror. Vor allem, wenn man den Menschen gemocht oder gar geliebt hat. Wenn es Dir so schlecht geht, geh unbedingt zu einem Arzt oder einer Ärztin und lass‘ Dir helfen. Ich weiß, dass das nicht sehr populär ist und mit Ängsten bis hin zur Furcht vor Manipulation durch die Pharmaindustrie, etc. belegt ist. Aber: Diese Form von Depression und Autoaggression ist meist eine neurologische Panne und als solche wirklich fürs Erste leicht zu beheben. So, wie Du Dich gerade fühlst, bist Du nicht mehr Du selbst. Wenn diese Verzweiflung erst einmal weg ist, wirst Du nicht automatisch ein glückliches, rosarotes Leben führen, sondern damit beginnen können, die Schäden, die Du anrichtest, wieder zu reparieren und vielleicht endlich wieder etwas zu machen, was Du kannst und gerne tust. Ich glaube wirklich nicht, dass Du zum Zerstören von Handys auf die Welt gekommen bist. Oder?

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    • 21. Mai 2021 um 10:34
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      Hallo Stephanie,

      ich glaube, da gab es ein kleines Missverständnis. Mir geht es wunderbar.
      Ich finde es ganz groß von dir, dass du dir solche Gedanken machst, das ist ein nobler Charakterzug. Außerdem tut mir das mit deiner Kommilitonin sehr leid.
      Um mich musst du dir allerdings keinen Kopf machen. Ich habe das Gefühl, in meinem Kopf wurde endlich ein Schalter umgelegt. Mir geht es wirklich gut und ich bin sehr zuversichtlich, dass das so bleiben wird.

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      • 22. Mai 2021 um 09:07
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        Lieber Kevin, puh! Da bin ich erleichtert. Ich bin neu auf Deiner Seite. Vielleicht hätte mich die Länge des Posts darauf aufmerksam machen müssen, dass es wohl schon besser geht. Ich möchte mich nirgends einmischen. Aber bei Suizid gehen bei mir die Alarmlampen an. Ein Hoch auf Deine Zuversicht!

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        • 22. Mai 2021 um 14:35
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          Freut mich, dass du erleichtert bist. Ist absolut nicht verkehrt, wenn man da direkt aufmerksam wird.
          Nun, dann heiße ich dich mal willkommen und wünsche dir noch ein schönes Wochenende. 🙂

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  • 22. Mai 2021 um 10:14
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    Das war ein sehr guter, durchdachter Post und interessant, wie du deinen Weg beschreibst. Ich freue mich, dass du einen Weg gefunden hast.
    Ich habe mich sehr viel mit Depression, Selbstmord etc. beschäftigt und fand heraus, dass es eben in der Regel nichts ist, was man mit Pillen behandeln kann, höchstens vertuschen und unterdrücken.
    In Wirklichkeit ist es immer so wie du schreibst, man muss sich mit der Vergangenheit auseinandersetzen. Doch ich denke, viele wissen dann nicht wie sie mit ihrem Zorn umgehen sollen, den sie in der Regel auch berechtigterweise haben, denn es ist ihnen meist wirklich etwas angetan worden, von den Eltern, von Mitschülern oder vom sonstigen Umfeld.
    In der Regel ist der Mensch glücklich, wenn er sich Ziele setzen und die erreichen kann.
    Was unglücklich, depressiv und energielos macht, sind die vielen Enttäuschungen, wo man nicht vorwärts kam, egal wie sehr man sich anstrengte, und zum Schluss gibt man dann ganz auf und hat gar keine Energie mehr.
    Doch in der Regel ist da nichts an dem Betroffenem selbst, was nicht in Ordnung ist, ausser vielleicht der Lebenseinstellung, denn wie du auch selbst schreibst, das Äussere hat sich eigentlich nicht geändert, sondern wie du es in dir selbst wahrnimmst…
    Aber das ist alles leicht zu sagen, denn die meisten Menschen haben beireits in der Kindheit so viele Fehlschläge und Dinge einstecken müssen, die man man ihnen nie hätte antun dürfen, dass sie sich damit abgefunden haben und nicht einmal anzuzweifeln wagen, was da los war und daher nur viel zu wenige erkennen, dass all das im Grunde ein abscheuliches Verbrechen gegen sie war.
    Du machst es ganz richtig, dass du dich mit der Vergangenheit auseinandersetzt, denn da liegt in der Regel die Antwort, doch das ist auch nicht leicht, denn es gehört einfach ein unglaublicher Mut dazu, sich querzustellen und von jetzt an seinen eigenen Raum zu verlangen, zu etabblieren und zu dominieren und sich nichts mehr von irgendjemandem antun zu lasen oder sich in irgendetwas behindern zu lassen, denn sobald man das tut, sagen die Bullies dann „Was hast du denn, wir haben doch gaaar nichts gemacht; du bildest dir alles nur ein“ oder „es ist doch gar nicht so schlimm“ oder „hab dich nicht so“ oder sogar „es ist doch alles deine Schuld“…
    Doch nochmals im Klartext: Wenn jemand depressiv ist, liegt es in der Regel daran, dass er systematisch entmutigt und schlecht behandelt wurde. Und das muss man dann erst lernen, wie man mit so etwas umgeht, wie man sich zu solchen Taten verhält, sobald man sich traut, sich überhaupt mit ihnen auseinanderzusetzten.
    Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg damit, wie du jetzt deinen Weg gehst und dass du es schaffst immer mehr aufzuarbeiten und auch zu sagen, dieses und jenes war nicht okay, was man mit dir gemacht hat und es dann mit neuen, positiven Aktivitäten ersetzen kannst und Dinge tust, die dich fördern, Gutes tun und dir wieder viele Erfolgserlebnisse schenken.

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    • 22. Mai 2021 um 14:44
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      Wow, vielen Dank für diesen ausführlichen Kommentar, für deine Wünsche und danke für dein Lob.

      In dem was du schreibst steckt ganz viel Wahrheit. Nur möchte ich, speziell für meinen Fall noch etwas ergänzen.
      Ich habe ein paar blöde Dinge erlebt, aber ich habe anschließend auch ganz viel selbst verbockt. Womöglich resultierte das wiederum daraus, dass ich eben in der Kindheit ein bisschen was einstecken musste, aber es ist schwierig da die Grenze zu ziehen. Wo beginnt die Eigenverantwortung?

      Nichtsdestoweniger ist es sehr wichtig, sich damit auseinanderzusetzen, davon bin ich inzwischen überzeugt.

      Antworten
  • 22. Mai 2021 um 13:06
    Permalink

    Gefällt mir, wie Du uns an Dich ran lässt. Danke für diese Offenheit. Ich bin mehr als doppelt so alt wie Du und versuche mir vorzustellen, mit welchem Gefühl für mein Leben und meine Zukunft ich in diesen Zeiten gewandert wäre. Alles Gute. Reiner

    Antworten
    • 23. Mai 2021 um 23:59
      Permalink

      Hallo Reiner, habe gerade gesehen, dass ich gestern wohl vergessen habe, meine Antwort auf deinen Kommentar abzuschicken, deshalb noch einmal:
      Ich danke dir für die lobenden Worte. Es hilft mir persönlich auch sehr, so offen zu sein. Ich habe manchmal das Gefühl, dass meine Gedanken auf diesem Weg an Substanz gewinnen, wodurch ich sie deutlich besser verinnerlichen kann.

      Die Gedanken, die du dir machst, führen dich bestimmt zu interessanten Ergebnissen, oder?

      Antworten
  • 22. Mai 2021 um 19:31
    Permalink

    Danke für den Beitrag, jetzt habe ich mal eine leise Ahnung es du da so in Schweden machst. Schreib weiter, liest sich gut!

    Antworten
  • 23. Mai 2021 um 12:19
    Permalink

    Hallo Kevin!

    Ich bin ganz begeistert von deinem Schreibstil – du schreibst wirklich toll!
    Es freut mich zu hören, dass es dir besser geht und du dich neu sortierst. Auch wenn wir uns nicht kennen!
    Ich wünsche dir alles Gute und freue mich, bald mehr von dir zu lesen.

    Liebe Grüße
    Franzi

    Antworten
    • 23. Mai 2021 um 13:32
      Permalink

      Hey Franzi. 😀
      Wow, vielen Dank.
      Ich wünsche dir ebenfalls alles Gute und einen wundervollen Sonntag. 🙂

      Antworten
  • 24. Mai 2021 um 11:32
    Permalink

    Hallo Kevin, vielen Dank, dass du deine Gedanken und Gefühle teilst. Und dein Beitrag erinnert mich an meinen Zustand 2010, als ich das Sorgerecht für meine Kinder verloren hatte, selbst aus heutiger Sicht immer noch völlig unberechtigt, denn ich bin eine gute Mutter, ich nehme keine Drogen, trinke selten und dann wenig Alkohol, behalte die Kontrolle über mich, kann gut motivieren, Grenzen setzen, und konnte für uns sorgen. Deshalb bin ich wohl auch in ein so tiefes Loch gefallen, als es passiert ist. Ich konnte es einfach nicht glauben, und musste dann feststellen, dass alles kämpfen nichts nutzte. Es war wohl das erste Mal in meinem Leben, dass lösungsorientiertes Handeln keinen Sinn mehr machte, dass ich einfach nur noch aufgeben konnte. Ich lag wochenlang mit dem Gesicht zur Wand auf dem Sofa, alle Vorhänge des Hauses zu, der Fernseher lief im Hintergrund, ohne dass ich mitbekommen hätte, was da lief. Jetzt, wo ich darüber schreibe, denke ich, dass es vielleicht nützlich sein könnte, auch einen Blogartikel darüber zu schreiben. Mit Sicherheit bin ich nicht die einzige, die elf Jahre nach einer Krise darauf verwundert zurückblickt. Ich wünsche dir einen wunderschönen Tag und alles Gute 🍀👍

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    • 24. Mai 2021 um 15:44
      Permalink

      Ganz lieben Dank für deinen umfangreichen Kommentar.
      Ist es nicht seltsam, dass man sich in solchen Momenten so unfassbar alleine fühlt, mit der Zeit aber nach und nach versteht, dass es eben nicht nur einem selbst so geht/ging? Jedenfalls empfinde ich das gerade wieder so, nachdem ich von deiner Geschichte erfahren habe …
      Es freut mich, dass es dir mittlerweile besser geht.

      Ich bedanke mich auch für die Verlinkung meines Beitrags und wünsche dir ebenfalls alles Gute!

      Antworten
      • 24. Mai 2021 um 15:52
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        Das stimmt, irgendwie kommen einem die anderen alle wie Feinde vor, oder man nimmt gar nicht mehr wahr, wer ein Freund ist. Alles ist so anstrengend, und man kann gar nichts akzeptieren. Auch interessant, dass man tatsächlich den Grund dafür, dass es einem besser ging, nicht genau erinnern kann. Auch nicht den genauen Zeitpunkt. Danke für Deine Inspiration und einen wunderschönen Feiertag.

        Antworten
  • Pingback:11 Jahre nach der Krise meines Lebens | Wenn kämpfen keinen Sinn mehr macht – parkitloveit

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