Die Sache mit der Selbsterkenntnis

Ich bin mitunter impulsiv, handle überstürzt und bereue im Nachhinein, was ich getan habe. Und das möchte ich ändern. Ich möchte in Zukunft gerne bedachter und gelassener auf aufwühlende Ereignisse reagieren.

Ich gerate sehr leicht ins Grübeln und zerrede in inneren Monologen oft Tatsachen, die ich nicht beeinflussen kann. Ich möchte lernen, diese Tatsachen schlicht akzeptieren zu können.

Ich tue mich schwer mit Kritik. Ich nenne mich kritikfähig und meine damit eigentlich, dass ich immer offen für Lob bin. In Zukunft will ich mit Kritik anders umgehen und sie differenziert betrachten, anstatt sie von vornherein als (berechtigten) Angriff auf mein Selbst zu verstehen.

Ich denke nach wie vor sehr ichbezogen und vermute allmählich, dass das kein nebensächlicher Charakterzug, sondern ein fundamentaler und womöglich krankheitsbedingter Teil meiner Persönlichkeit ist. Ich bin höflich und in der Not auch für die Menschen um mich herum da, aber es kostet mich oft einiges an Kraft. Ich möchte mich damit arrangieren.
Meine tiefste und ehrlichste Empfindung kann ich nicht ändern, zumindest nicht auf einen Schlag und wahrscheinlich nie in Gänze, doch ich kann mich genau beobachten und lernen, so zu handeln, wie ich es für richtig erachte. Denn es ist nicht so, dass ich gefühlskalt wäre, im Gegenteil. Nur merke ich manchmal gar nicht so recht, wie ich mich verhalte.

Das ist noch längst nicht alles, aber das sind ein paar wichtige Punkte. Punkte, an denen ich arbeiten will.

Wunderbar, Selbsterkenntnis. Also los –

Einen Moment, Monsieur, einen Moment. Wie wäre es, sich vorher ausnahmsweise kurz die Zeit zu nehmen, die andere Seite zu betrachten?

Ich bin aufmerksam und höre den Menschen tatsächlich zu (jedenfalls dann, wenn ich nicht selbst rede 😉), ich bin humorvoll und lustig (die humorvollsten Menschen sind immer die, die das von sich selbst behaupten) und ich bin kreativ.
Ich bin längst nicht mehr so stur, wie ich einst war. Es dauert manchmal ein wenig, aber ich gehe ehrlich mit mir ins Gericht und zeige mich gegebenenfalls einsichtig.
Ich lege sehr großen Wert auf Gerechtigkeit und habe ein immenses Problem mit der Ausbeutung unschuldiger Lebewesen – und ich habe meine Schlüsse daraus gezogen. Ich lebe nun seit über zwei Jahren vegan und, ja, ich betrachte das als wunderbaren Aspekt meiner Person. Ich möchte über niemanden urteilen, der eine andere Meinung hat, aber ich bin unendlich froh, diesen Schritt gewagt zu haben.
Ich mag es, sich gegenseitig neue Wege aufzuzeigen und voneinander zu lernen. Wie gesagt, ich brauche manchmal ein bisschen, aber dann bin ich sehr offen für frische Perspektiven. Ich bin wandelbar im bestmöglichen Sinne.
Bei aller Ichbezogenheit trage ich eine Menge Liebe in mir und kann äußerst mitfühlend sein. Es fällt mir vielleicht ab und an schwer, es zu zeigen, aber das meine ich nicht böse.
Ich bin die Summe meiner Teile und die Summe meiner Erfahrungen. Ich bin nichts Besonderes und doch bin ich ein besonderer Mensch. Ein Mensch, der sich gerade zurückhalten muss, ob seiner eigenen Worte nicht die Augen zu verdrehen. Aber daran werde ich noch arbeiten. 😉

Die Sache mit der Selbsterkenntnis
                                            

Kevin Schmidt

Ich wandle zwischen Nostalgie und Zuversicht – das beschreibt mich ganz gut, glaube ich.

10 Kommentare zu „Die Sache mit der Selbsterkenntnis

  • 9. Mai 2021 um 18:59
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    Oh ja, man muss lange an sich selbst arbeiten, und dann wieder ist es gar nicht so schlecht, so zu sein wie man ist. Nur um den anderen ein besseres Bild von mir zu geben, dies wäre gar nicht in meinem Sinn. Ich wünsche dir viel Kraft und Durchhaltevermögen, lächel…
    Liebe Grüße, Edith

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  • 9. Mai 2021 um 19:10
    Permalink

    Das ist ein wunderbarer Anfang!
    In der Art und Weise, Dich selbst zu betrachten, zeigt sich etwas Neues: Fairness.
    Also verdreh nicht die Augen, sondern mach weiter so.
    Ich habe den Eindruck, dass Du beginnst, Dich als „Mensch unter Menschen“ zu sehen, nicht besser, nicht schlechter, nur anders.
    Jetzt willst Du Dich entfalten, weiterbringen, was in Dir ist.
    Das ist zukunftsgewandt, Du gibst Dir eine Chance und plötzlich ist da Raum für Zuversicht.
    Du hast hier einen sehr großen Schritt getan, Respekt!
    LG Michael

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  • 9. Mai 2021 um 23:09
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    Cool 😎. Ein neuer Weg beginnt! Viel Liebe, Kraft und Selbsterkenntnis wünsche ich dir auf deiner Reise!

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  • 5. Juni 2021 um 11:21
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    Seltsames Gefühl, zu lesen, was in einer selbst vorgeht, was sie aber bislang nicht formuliert hat. Ich profitiere enorm von deinen Beiträgen, herzlichen Dank dafür.

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    • 5. Juni 2021 um 13:26
      Permalink

      Seltsames Gefühl, so etwas zu lesen.
      Es freut mich, wenn meine Beiträge dir etwas geben.
      Vielen Dank!

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