Eine Leidenschaft für das Nichts

Nehmen wir an, die Idee des Karmas ist real und es ist nicht entscheidend, was man tut, sondern was die Absicht dahinter ist. Dann ist es unmöglich, irgendjemanden zu belügen. Dann gibt es kein Schlupfloch. Es muss im Innersten beginnen.

In meinem Innersten brennt eine große Leidenschaft für das Nichts, für die Negation. Das war schon immer so. Als ich vor geraumer Zeit begonnen habe, mich im Zuge eines substanziellen Blicks auf meine Werte und Einstellungen mit optimistischeren Grundhaltungen auseinanderzusetzen, schien es mir, als müsste ich diese Leidenschaft irgendwann hinter mir lassen. Ich habe versucht, mich mit diesem Gedanken anzufreunden; bis ich vor zwei Tagen eine interessante Beobachtung gemacht habe.

Es war erfüllend und bestärkend, den Dingen jeglichen Wert abzuerkennen. In jenem Moment habe ich mich absolut gefühlt. Der Schluss totaler Resignation liegt nahe, aber es hatte nichts davon. Das war aufrichtiges und nüchternes Empfinden. Der seltsame Begriff des „konstruktiven Nihilismus“ kam mir in den Sinn und ich habe begonnen, mich zu fragen, ob mein Weg zur Zufriedenheit denn unbedingt davon wegführen müsse.

Es geht nicht um Zerstörung, es geht um Freiheit. Es geht um die Negation sämtlicher Regeln und Muster, um dem Schmerz sein Fundament zu nehmen und dort ein besseres zu schaffen. Denn, Erleuchtung hin, Erleuchtung her, ich werde niemals sämtliche Skepsis ablegen können. Weil es keine Wahrheit im überweltlichen Kosmos gibt, die wir erfahren können – und selbst dieser Aussage stehe ich skeptisch gegenüber.
Wenn man all das also akzeptiert und seine Möglichkeiten begrüßt, kann man lernen, die Nichtigkeit der Dinge wertzuschätzen. Man kann ihnen auch jedweden Wert aberkennen, aber wozu?

In meinem bisherigen Leben war ich auf der Suche nach objektiver Wahrheit, während ich fortwährend davon sprach, dass es jene nicht geben könne. Ein ewiger Rundgang. Vielleicht der richtige Weg, vielleicht der falsche – aufgrund meines Empfindens aber unbestreitbar kein zufriedenstellender.

Kommen wir zurück zum Karma. Wendet man sich, selbstredend ohne ihn zu verdammen, von diesem Rundgang ab, kann man seinen eigenen Pfad wählen. Einen Pfad, der unterhalb der Skepsis angesiedelt ist und dadurch von ehrlicher Liebe und Zuversicht gesäumt sein kann – womit es im Innersten begänne.

Ein paar meiner Intentionen waren schon immer gut, viele sind es schon lange – und die, die es möglicherweise noch nicht sind, möchte ich fortan aufmerksam beobachten, um sie gegebenenfalls eines Tages dazu machen zu können.

Eine Leidenschaft für das Nichts
                                            

Kevin Schmidt

Ich wandle zwischen Nostalgie und Zuversicht – das beschreibt mich ganz gut, glaube ich.

6 Kommentare zu „Eine Leidenschaft für das Nichts

    • 6. Mai 2021 um 13:03
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      Ich bin ehrlich gesagt nicht allzu vertraut damit, aber es könnte Parallelen geben.
      Es geht mir nicht darum, den Dingen den Wert abzusprechen, sondern ihnen aufgrund der Überzeugung, dass sie möglicherweise per se keinen naturgegebenen Sinn innehaben, meinen eigenen zu geben. Meine eigene Wahrheit in einer Welt ohne Wahrheit.
      Ich freue mich, wenn du in meinen Worten etwas für dich finden kannst. 🙂

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  • 6. Mai 2021 um 12:34
    Permalink

    Ich finde den Begriff „Nichtigkeit“ schwierig. Es klingt so negativ und schreibt etwas eine völlige Unbedeutenheit zu auch wenn du dem mit einer neutralen Haltung entgegen stehen magst. Im Kern hast du recht. Es obliegt uns was wir im Leben tun und wir sind frei das zu entscheiden. Doch letztlich ist das was wir erreichen wollen einen Sinn im Leben zu finden. Nach unseren Werten zu handeln und Erfüllung im Leben zu finden. Das bedingt auch das sich unser Umfeld dem anpasst. Ich würde aber nicht alles für unwichtig erklären. Es gibt viele Menschen die einem wichtig sind und man braucht sie auch um den Weg beschreiten zu können. Es gibt natürlich immer Menschen, Dinge und Orte die man zurücklassen muss auch wenn es schwer fällt. Ich würde sie aber nicht als nichtig beschreiben da sie auch Teil des Lebens waren. Letztlich tut man das ja um seinen Weg im Leben zu finden. Eine Basis im Leben ist wichtig und je mehr man von ihr abgibt desto schwieriger wird es. Denn dann geht es einem selber nicht mehr gut. Ich würde es eher als eine Transition beschreiben. Die Basis verändert sich über die Zeit. Sowas geht halt nicht von Heute auf Morgen.

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    • 6. Mai 2021 um 17:33
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      Ich denke mir, dass viele Menschen mit dieser Sichtweise ein Problem hätten. Ich fühle mich dadurch aber in gewisser Weise sogar erleichtert.
      Ich möchte gar nicht alles für unwichtig erklären, ich definiere die Wichtigkeit oder den Wert von etwas oder jemandem nur als etwas ultimativ Subjektives. Für den einzelnen Menschen persönlich, in dem Fall für mich, haben eine Menge Dinge und eine Menge Personen einen unermesslichen Wert. Die der Gegenwart sowie die der Vergangenheit.
      Du hast absolut recht, was die Sache mit der Transition der Basis angeht. Zudem geht es auch darum, zu erkennen, was man denn abgeben möchte und was nicht. Und was ich in diesem Beitrag erwähnt habe, war ein Aspekt des Ganzen, bei dem ich mir erst unschlüssig war. Inzwischen sehe ich das aber doch als festen Teil meiner Basis, wenngleich natürlich nichts in Stein gemeißelt ist.

      Ganz lieben Dank für deinen ausführlichen Kommentar. 🙂

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    • 8. Mai 2021 um 07:46
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      In gewisser Art und Weise vielleicht. Es ist definitiv ein Versuch, zu akzeptieren, dass einem mitunter nichts anderes übrigbleibt, als zu akzeptieren. Sonst ist alles Nichts.

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