Einkehr und Aufbruch – Nachwort

Im Laufe der letzten zwei Wochen ist mir eine Menge bewusst geworden. Ich habe verstanden, dass es niemals eine dauerhafte Lösung ist, den Konfrontationen mit den eigenen Gedanken aus dem Weg zu gehen. Ich habe begriffen, dass alles, was man tut, Konsequenzen hat und dass man nichts für selbstverständlich erachten sollte. Dass man oft selbst in der Hand hat, wie die Dinge sich entwickeln und gegebenenfalls die Konsequenzen seines Handelns tragen muss. Ich habe aber auch verstanden, dass man dadurch zu jedem Zeitpunkt die Möglichkeit hat, eine andere Richtung einzuschlagen. Dass so gut wie nichts unumstößlich ist. Ich habe erkannt, dass ich noch einen weiten Weg vor mir und eine Vielzahl an Gedanken und Erinnerungen zu ordnen habe. Ein- und gegebenenfalls auch auszusortieren. Mir ist bewusst geworden, dass ich noch lange nicht so sehr bin, wie ich mir von jeher eingeredet habe.
Vieles davon hat man schon unzählige Male gehört, aber zumindest ich habe dem selten sonderlich viel Bedeutung beigemessen – und ich vermute, damit nicht allein zu sein. Mit Sicherheit bin ich nicht der Erste, der ganz unten ankommen musste, um aufzuwachen.

Mein ursprünglicher Plan war, mir am Ende des Projekts offenzuhalten, in Zukunft zu ihm zurückzukehren. Zum Beispiel, wenn ich auf ein Fragment meiner Vergangenheit stoßen würde, das ich in diesem Kontext gerne behandelt hätte. Ich halte mir das zwar weiterhin offen, aber ich glaube nicht, dass es geschehen wird.
In einem der Beiträge habe ich schon angemerkt, dass ich selbst dann nicht auf jeden einzelnen Sachverhalt eingehen könnte, wenn ich es wollte. Und ich glaube, das muss ich auch gar nicht, denn es ist Vergangenheit. Die meiner Meinung nach schwerwiegendsten Fehler und Fehlentscheidungen habe ich behandelt, und sollte mir tatsächlich irgendetwas entfallen sein, so lässt sich herleiten, wie ich dazu stehe. Irgendwann ist der Zeitpunkt gekommen, mit dem Gestern abzuschließen, und für mich ist es jetzt soweit. Und das bedeutet nicht, dass ich es vergessen, sondern dass ich mit ihm Frieden schließen muss.

Die Arbeit hieran war hart, noch wesentlich härter als ich es mir vorgestellt hatte. Währenddessen kam immer wieder der Gedanke auf, die Personen, über welche ich schrieb, am Ende schließlich doch irgendwie zu kontaktieren und sie auf diese Beiträge hinzuweisen – und noch habe ich diesen Gedanken auch nicht verworfen. Vorher müsste ich allerdings ein paar Punkte mit mir selbst klären.
Ich werde niemanden kontaktieren, solange ich mir nicht sicher sein kann, dass mein Antrieb allein der ist, ihm oder ihr mitteilen zu wollen, wie ich heute über die damaligen Vorkommnisse denke. Ich muss erst wissen, dass es für mich zweitrangig ist, was sich daraus möglicherweise ergibt. Ich möchte mir sicher sein, dass ich nicht erwarte, dass meine Entschuldigungen angenommen werden – auch wenn ich dafür natürlich unglaublich dankbar wäre. Ob ich diesen Schritt also eines Tages wage, weiß ich noch nicht, aber ich schließe es nicht aus.

Wie gesagt, ich habe erkannt, dass ich noch einen weiten Weg vor mir habe, und ich denke, dass diese Plattform eine wunderbare Möglichkeit bietet, Entwicklungen und Meilensteine festzuhalten. Vielleicht auch Abstecher und Irrwege, aber in jedem Fall wird mich dieser Blog noch eine Weile begleiten. Ein paar Ideen habe ich bereits parat und ich denke, das eine oder andere könnte ganz interessant werden.
Ich bedanke mich für jede Rückmeldung und für allen Zuspruch, der mir entgegengebracht wurde. Ich bedanke mich auch bei jedem stillen Leser und möchte noch einmal anmerken, dass mir klar ist, dass all das keineswegs selbstverständlich ist. Ich habe mich ja nicht unbedingt von meiner besten Seiten gezeigt … 😉

Einkehr und Aufbruch – Nachwort
                                        

Kevin Schmidt

Ich wandle zwischen Nostalgie und Zuversicht – das beschreibt mich ganz gut, glaube ich.

9 Kommentare zu „Einkehr und Aufbruch – Nachwort

  • 27. April 2021 um 17:07
    Permalink

    Mir ist etwas unklar, ob du hier nun das Schreiben beendest oder änderst… So oder so: Auf deinem weiten Weg wünsche ich dir alles Gute. Ich finde das großartig, was du hier getan hast, und wünschte, so manch einer würde es wenigstens für sich tun…

    Antworten
    • 27. April 2021 um 17:12
      Permalink

      Hallo Stefan, ich bedanke mich erneut. 🙂
      Habe ich mich womöglich missverständlich ausgedrückt? Ich werde diesen Blog auf jeden Fall weiterführen, nur diese „Serie“ schließe ich hiermit ab.

      Antworten
  • 8. Mai 2021 um 00:26
    Permalink

    In meinen Augen ist Autonomie eine Illusion.
    Was und wem nützt all die Ehrlichkeit?
    Stell Dir vor, ein Wunder würde geschehen, und über Nacht wäre alles so, wie Du es Dir und Anderen wünschst.
    Woran würdest Du erkennen, dass dieses Wunder geschah?
    Die Antwort zeigt Dir die Richtung.
    LG Michael

    Antworten
    • 8. Mai 2021 um 18:05
      Permalink

      Mir hat sie geholfen, Michael. Die Dinge, über die ich geschrieben habe, haben mich lange beschäftigt, haben in mir gewütet, und ich habe mich nicht getraut, sie anzusehen. Dem ist nicht mehr so. Sie erdrücken mich nicht mehr und ich akzeptiere sie.

      Vielleicht ging es einfach nur darum, es aufzuarbeiten, und ich hätte das auch im privaten Bereich tun können, doch es geht mir nun etwas besser – und das ist letztendlich das, was zählt. Zumindest sehe ich das so.

      Antworten
  • 6. Juni 2021 um 12:59
    Permalink

    Wow….es gehört viel Mut dazu, so offen und ehrlich mit sich selbst zu sein und es dann auch noch zu teilen. Ich wünsche dir, das die jeweiligen Personen darauf stoßen, es lesen und sich dann bei dir melden um es endgültig zu bereinigen.

    Antworten
    • 6. Juni 2021 um 15:04
      Permalink

      Ich danke dir, auch für die weiterführenden Wünsche. Wobei ich tatsächlich von niemandem etwas erwarte. Ich würde mich natürlich nach wie vor darüber freuen, aber so oder so mache ich mir selbst keine Vorwürfe mehr.
      Ich finde es immer schwierig, das zu sagen, weil ich dann manchmal befürchte, das könnte wirken, als würde ich inzwischen runterspielen wollen, was passiert ist, aber ich vertraue einfach mal darauf, dass du es nicht falsch verstehst. 🙂

      Antworten
      • 6. Juni 2021 um 15:09
        Permalink

        Keine Sorge, ich verstehe dich sehr gut. Und du hast Recht, in erster Linie geht es darum, dass du einen Weg gefunden hast, um damit abzuschließen. Ich finde, du hast es auf eine sehr ehrliche und teilweise auch harte Art getan. Und es ist gut, die Vergangenheit abzuschließen und nach vorne zu gehen.

        Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

%d Bloggern gefällt das: