Hinaus.

Es war ziemlich lange still hier, was? War auch eine ziemlich miese Zeit. Wie auch immer, diese miese Zeit liegt jetzt hinter mir, weswegen ich voller Elan in die nächste starte.

Ich weiß nicht mehr, wohin. Das Leben ekelt mich an, das Leben strengt mich an, das Leben langweilt mich und nervt. Ich habe keine Hoffnung mehr und ich glaube nicht, dass ich jemals glücklich werde. Zumindest nicht, wenn ich mich selbst aus den illusorischen Träumen reiße, denen ich verzweifelt hinterherrenne. Ich glaube nicht, dass ich in diese Welt passe. Also habe ich beschlossen, fortan radikal ehrlich zu sein und weder mir noch irgendwem sonst mehr etwas vorzumachen.

Ich hätte gerne, dass es mir besser geht. Gar nicht unbedingt wegen mir selbst, sondern wegen den paar Personen, denen ich etwas bedeute. Eines der wenigen Dinge, die ich noch empfinde, ist ein schlechtes Gewissen. Empfindet man ein schlechtes Gewissen? Unwichtig.
Ich sitze meine Zeit ab. Und ich hoffe unterschwellig darauf, dass etwas passiert. Irgendetwas, egal ob positiv oder negativ. Einfach irgendetwas, das den Moment beendet. Ich habe aufgegeben, selbst nach etwas zu suchen.

Ich fühle mich allein. Als ob ich nicht in diese Welt gehöre. Wie sollte ich? Ich kenne niemanden, der mich ansatzweise versteht. Das klingt sehr jugendlich, was? Im Gegensatz zu damals ist das heute aber mehr als dummes Gefasel. Gut, dass ich niemanden kenne, ist gelogen. Ich kenne eine einzige Person, die mich ansatzweise versteht. Die Kommunikation mit dem Rest ist anstrengend. Wobei, nein, auch das ist gelogen. Die Kommunikation mit dem Rest ist oft bis meistens anstrengend. Jedenfalls habe ich keine Lust mehr, mich zu erklären, Missverständnisse aus dem Weg zu räumen, mich irgendwelchen Gepflogenheiten entsprechend zu verhalten, Rücksicht auf verletzliche Gefühle zu nehmen oder vor irgendjemandem auf die Knie zu fallen.
Eine ekelhafte, falsche, oberflächliche Welt, in der wir da leben. Bewohnt von kurzsichtigen und konditionierten Individuen, die zwar Toleranz predigen, jedoch in grenzenlose Empörung verfallen, sollte tatsächlich einmal jemand eine divergierende Meinung äußern.

Das Groteske daran ist, dass häufig gerade die heuchlerischsten dieser Individuen sich herausnehmen, über die mangelnde Moral anderer zu urteilen. Es widert mich an. Diese ganze Mentalität widert mich an. Es kann doch nicht sein, dass niemand kapiert, dass das kein gutes Ende nehmen wird, oder? In einer Welt, in der die offizielle Rassismusdefinition mittlerweise Diskriminierung aufgrund von Religion beinhaltet und ein natürliches Gefühl wie Hass zum Inbegriff der Verrohung einer ohnehin verlorenen Gesellschaft stilisiert wird, wundert man sich tatsächlich noch, dass die stumpfen Massen bereits jetzt parolenbrüllend durch die Straßen ziehen? Kann man sich nicht ausdenken. Aber es scheint zu viel verlangt, all die verblendeten Kurzschlussreaktionen mit ein bisschen Logik zu garnieren.

Es scheint unmöglich, dass ein Mensch, der noch nie ein schwarzes Profilbild hochgeladen hat, ein toleranter, weltoffener und empathischer Typ sein kann. Ein Typ, der Rassismus für beschränkt und Gleichberechtigung von Mann und Frau für selbstverständlich hält. Denn das reicht nicht. Es reicht nicht, vegan zu leben und nachhaltig zu agieren. Vielleicht würde es reichen, schließlich hat niemand unbegrenzte Kapazitäten, aber nicht, wenn man sich weigert, Gendersternchen zu benutzen. Das entlarvt einen nämlich. Umgehend. Als ignoranten und arroganten Unmenschen. Ich bin es leid.

Deshalb versuche ich, es gelassen zu nehmen und hoffe darauf, dass dieses seltsame Konstrukt bald in sich zusammenfällt. Einfach für die Genugtuung. Zumindest wäre dann etwas passiert. Gott, bin ich verbittert …

Hinaus.
                        

Kevin Schmidt

Ich wandle zwischen Nostalgie und Zuversicht – das beschreibt mich ganz gut, glaube ich.

3 Kommentare zu „Hinaus.

  • 16. April 2021 um 21:36
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    Du bist nicht verbittert. Du bist in einem Aufwachprozess. 😊 Ich mag sehr wie du schreibst und ich lese gern alle anderen Beiträge hier. Nur nicht mehr heute.
    Das Verweigern von GenderSternen und das zuweilen zwanghafte Korrigieren und Perfektionieren von Texten hat mich interessiert weiterlesen lassen 😁
    Bis ganz bald also.

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    • 17. April 2021 um 09:34
      Permalink

      So klingt das natürlich wesentlich sympathischer. 😉
      Vielen Dank für die netten Worte und bis bald. 😀

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  • 7. Mai 2021 um 23:31
    Permalink

    Tief durchatmen, entspannen, um sich schauen…
    Die Leute sind gar nicht so übel. Übel kann einem höchstens von denen auf der Bühne werden. Manchmal. Sind ja auch nur Menschen.
    Wie auch immer: Rassismus ist normal, Hass ist normal, der ganze Populismus, alles natürlich, alles Stammhirn.
    Man muss nur am Ende den Schritt schaffen und sich sagen:
    Aber ich bin ja gar kein Primat! 🙂
    Wenn jeder tut, was er kann, für Gerechtigkeit, egal ob mit oder ohne Sternchen, dann genügt das!
    LG Michael

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